Preview: Anfang von „Fiona – Reloaded“, Band 6

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Zyklus 2 der Fiona-Serie befindet sich noch in einem absoluten Anfangsstadium. Für alle, die sich fragen, wie es nach dem Shutdown am Ende vom ersten Zyklus überhaupt weitergehen kann, gibt es hier ein PREVIEW auf den Beginn vom Band 6, der zugleich den Anfang vom zweiten Zyklus markiert.

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Hunger.
Die Dunkelheit seit dem letzten Gongschlag ist mal wieder undurchdringlich. Brauche Kerze. Dringend. Kratzgeräusche, von irgendwoher. Sie machen mich nervös. Eigentlich ist nur Grauhaar da. Und Ratten. Die Ratten mag ich nicht, aber sie sind ungefährlich. Außerdem gut zu essen, wenn nichts anderes da ist.
Ich muss auf die Jagd gehen. Habe keine Vorräte mehr. Also nehme ich meinen Stock und verlasse mein Versteck. Trotz der völligen Dunkelheit gelange ich problemlos nach draußen. Ich kenne den Weg auch blind.
Vor dem verwahrlosten Gebäude bleibe ich stehen, um mich zu orientieren. In den Quons zwischen den beiden Gongschlägen, wenn es dunkel ist, muss ich mich auf meine Ohren und Nase verlassen. Wenn mich etwas bereits berührt, ist es zu spät. So viel habe ich schon herausgefunden. Verbunden mit Schmerzen. Aber Schmerzen sind nützlich, um etwas zu lernen. Auch das weiß ich inzwischen ziemlich gut.
Licht streift mein Auge. Das kann nur Grauhaar sein. Sie ist leichtsinnig, das Feuer ist von draußen zu sehen. Kann ungebetene Gäste anlocken. Und das endet oft schmerzhaft. Ich muss nachher mit Grauhaar reden. Dabei weiß sie das doch.
Ich sehe die Stadt, ihre Lichter, zwischen den Bäumen. Ich mag sie nicht, zu viele Menschen, die unberechenbar sind. Sie mögen mich nicht, ich mag sie nicht. Weder die Stadt noch die Menschen.
Mich mag ich auch nicht wirklich. Ich weiß ja nicht einmal, wer ich bin. Ich bin eine Frau, so viel habe ich inzwischen herausgefunden. Auch eine schmerzhafte Erfahrung gewesen. Allerdings nicht nur für mich. Frausein ist gefährlich. Eine wichtige Lektion. Seitdem passe ich besser auf.
Ich gehe durch den Wald in Richtung Stadt. Rechts sehe ich irgendwann das Haus vom Alten. Es ist kleiner als das Haus, in dem ich … lebe. Und die Grauhaar. Ich glaube, der Alte hat auch mal in dem großen Haus gelebt. Früher. Da war die Grauhaar noch nicht hier. Und ich auch nicht.
Wobei, was mich betrifft, weiß ich es ja nicht. Aber der Alte scheint mich nicht zu kennen, daher glaube ich nicht, dass ich damals in dem großen Haus gelebt habe. Wann das auch immer gewesen sein mag.
Ich bleibe stehen, um die blöden Gedanken abzuschütteln. Obwohl ich nicht ständig darüber nachdenken will, passiert es dennoch. Immer und immer wieder. Wer bin ich? Was bin ich? Wie komme ich hierher?
Ich habe keine Ahnung.
Grauhaar hat irgendwann erwähnt, ich wäre bestimmt hübsch, wenn ich mich endlich mal waschen würde. Sie hat wohl recht. Aber wenn ich hübsch aussehe, wollen die Männer wieder, dass ich eine Frau bin. Das wiederum tut weh. Also bin ich lieber hässlich und stinke.
Ich will wieder losgehen und die dämlichen Gedanken im Wald lassen, als mir etwas auffällt. Im Haus des Alten ist es zu hell. Und da sind Schatten. Obwohl keine sein dürften. Das ist sehr seltsam. Ich sollte nachsehen, ich mag den Alten ja. Aber vermutlich wird es schmerzhaft, ganz sicher sogar. Solche Sachen enden immer schmerzhaft.
Aber ich mag den Alten und er scheint in Gefahr zu sein.
Den Stock fest umklammernd, gehe ich möglichst leise auf das Haus zu. Im Dunkeln ist das nicht so einfach, zumal es unterwegs einige Stufen gibt. Der Garten des Hauses liegt niedriger als der Rest. Warum auch immer. Ich weiß ja nicht einmal, wozu es einen Garten gibt. Früher wusste ich das vermutlich, zumindest habe ich ein vertrautes Gefühl, wenn ich an einen Garten denke.
Doch jetzt sollte ich mich lieber auf die Gäste des Alten konzentrieren. Wobei, Gäste sind es nicht, denn sie haben ihn geschlagen. Der Alte liegt auf dem Boden in seinem Haus, neben einem Feuer. Drei Männer sind bei ihm. Sie sehen so aus, dass ich lieber weglaufen sollte. Möglichst lautlos.
Doch dann wird der Alte sterben. Er sieht jetzt schon so aus, als würde er nicht mehr lange leben. Die haben ihn anscheinend nicht nur geschlagen, sondern mit ihren Messern auch verletzt.
Sehr schmerzhaft.
Ich atme tief durch. Gegen diese drei komme ich sicher nicht an, es ist dumm, noch länger hier zu bleiben.
Neben mir kreischt ein Tier. Keine Ahnung, was für eines, ich sehe es nicht. Aber ich höre es, und nicht nur ich. Die drei Männer blicken zum Fenster, dann laufen zwei zur Tür.
Ich drehe mich um und laufe auch. Weg vom Haus. Vor mir ist es stockfinster, ich sollte nicht so schnell laufen. Dazu kenne ich den Garten nicht gut genug.
Wo ist überhaupt diese blöde Stufe?
Ich werde langsamer, ich will nicht stolpern. Doch dann höre ich jemanden hinter mir keuchen und beschleunige wieder.
Genau als die Stufe kommt. Stechender Schmerz zuckt durch meinen Fuß, mit dem ich hängenbleibe, dann falle ich und komme auf dem weichen Boden zum Liegen. Dabei verliere ich meinen Stock, der raschelnd ins Gebüsch fliegt.
Nicht gut.
Ich will aufstehen, doch ganz schaffe ich es nicht, als ich an den Haaren gepackt und nach hinten gerissen werde. Ich schreie auf und schlage blindlings um mich, treffe sogar etwas. Bis ich getroffen werde. In den Bauch. Der Schlag raubt mir den Atem. Ich kann mich nicht dagegen wehren, dass ich von einem der Männer an den Haaren ins Haus geschleift werde.
Er wirft mich neben das Feuer, das mir fast die Haare versengt. Hastig krabbele ich davon und zur Wand. Das Atmen fällt immer noch schwer, aber der Schmerz lässt endlich nach.
Der Alte liegt links von mir und sieht mich an. Er liegt in einer Blutlache. Er röchelt leise. Ich glaube nicht, dass er es noch lange macht. Schade. Ich mochte ihn wirklich. Kurz erwidere ich seinen Blick, dann setze ich mich auf und blicke mich um.
Drei Männer. Der, welcher mir erwischt hat, ist klein und kräftig gebaut. Braune Haare, Stiefel, Hose und Hemd. Einer von denen, die außerhalb der Stadt leben. Sie sind gefährlich und oft hungrig. Manchmal verdingen sie sich als Söldner. Gefürchtet sind sie, hat mir der Alte mal erzählt und dringend vor ihnen gewarnt.
Er scheint recht zu haben.
Die beiden anderen sind größer. Vor allem der eine, mit roten Haaren. Er sieht so aus, als wäre er der Anführer.
Nun kommt er zu mir und hockt sich vor mir hin. Seine braunen Augen mustern mich aufmerksam.
„Wen hast du denn da gefunden, Zama?“, fragt er spöttisch.
„Eine Wildkatze. Sie beißt und schlägt um sich. Pass bloß auf.“
Sie lachen. Was war denn daran witzig? Natürlich schlage, beiße und kratze ich, wenn mir jemand wehtun will. Das ist überhaupt nicht zum Lachen.
„Bisschen dreckig, aber eigentlich doch ein hübsches Ding“, sagt der Rothaarige und legt den Kopf schief.
„Sie gehört dir, Raun“, sagt Zama, aber sein Gesichtsausdruck meint das nicht so. Er würde lieber selbst sein Ding reinstecken.
Im Moment möchte ich keine Frau sein.
Raum streckt eine Hand nach mir aus und schiebt mein Kleid hoch. Ich sitze mit angezogenen Beinen an der Wand und starre ihn an. Als das Kleid auf Kniehöhe ist, fällt es an den Oberschenkeln nach unten.
Raun versucht einen Blick zwischen meine Beine zu erhaschen.
„Mach sie auseinander“, sagt er heiser.
Ich schüttel stumm den Kopf. Mein Blick wandert zum dritten Mann. Er ist nicht ganz so groß wie Raun und viel dünner. Er beobachtet mich mit einem neugierigen Blick.
„Mach die Beine auseinander!“, wiederholt Raun deutlich lauter.
Er steht auf und schiebt seine Hose hinunter. Sein Ding kommt zum Vorschein. Groß und fest. Ich starre es in panischer Angst an. Es ist viel größer als das, was mir so wehgetan hat.
„Na, das ist doch mal etwas Ordentliches, oder?“, bemerkt Raun grinsend. „Du scheinst noch nicht sehr erfahren zu sein. Das werden wir nun ändern. Nimm es in den Mund! Los jetzt!“
Er kommt näher und greift nach meinem Kopf. Vermutlich will er mich zwingen, seinem Befehl zu gehorchen.
Irgendwas lässt mich mit beiden Händen sein Ding packen. Hart und irgendwie pulsierend. Und es stinkt. Ruckartig bewege ich meine Hände, als würde ich einen Stock entzwei brechen.
Rauns Schrei ist bestialisch und lässt die anderen erstarren. Ich warte nicht ab, was mit ihm geschieht, sondern springe an ihm vorbei zum Feuer, packe ein brennendes Holzscheit und drücke es gegen den Kopf des Kleinen. Seine Haare gehen sofort in Flammen auf.
„Fett brennt gut“, hatte mal Grauhaar gesagt, als sie in einem Gefäß Rattenfett heiß gemacht hat. Um zu kochen, wie sie sagte.
Zamas Haare müssen sehr fettig sein.
„Tande!“, schreit er. „Mach sie fertig!“
Während er nach draußen rennt, wahrscheinlich, um Wasser zu suchen, werde ich vom dritten Mann, der demnach Tande heißt, gepackt und in die Höhe gehoben. Da er hinter mir steht, kann ich nicht nach ihm treten.
Dann wirft er mich auf den Rücken. Ich bleibe benommen liegen. Er setzt sich rittlings auf mich, seine schlanken Finger legen sich um meinen Hals und drücken zu. Immer fester.
Ich packe seine Handgelenke, aber meine Kraft reicht eindeutig nicht aus. Ich kann ihn auch nicht abwerfen, obwohl ich mich wild hin und her winde. Er ist viel stärker als er aussieht.
Sein Mund verzieht sich zu einem Grinsen.
„Ich werde dich töten. Und dann werde ich dich nehmen. Dein Fleisch bleibt noch ein paar Stunden schon frisch. Werde viel Spaß mit dir haben.“
Wenn mir nicht etwas einfällt, wird genau das passieren. Das ist mir bewusst. In meiner Wut und Verzweiflung schlage ich nach seinem Kopf. Er lacht nur. Mir kommt eine Idee. Ich packe seine Haare und drücke die Daumen, bevor er etwas dagegen unternehmen kann, in seine Augen. Mit einem wilden Schrei lässt er meinen Hals los und presst die Hände auf seine Augen. Zwischen seinen Händen sickert etwas durch.
Heftig keuchend greife ich nach seinem Messer. Am liebsten würde ich einfach nur liegenbleiben, aber dann werde ich sterben.
Ich stoße Tande von mir und verpasse ihm einen Schlag mit dem Messergriff, sodass er umfällt. Jetzt setze ich mich auf ihn. Er wehrt sich, aber mit einem Hieb gegen eins seiner Augen oder was davon noch übrig ist, ersticke ich seine Gegenwehr.
Dann hole ich aus und ramme das Messer in seine Brust. Doch die Klinge trifft eine Rippe und rutscht ab. Ich falle fast auf Tande, kann mich gerade noch abfangen.
Er schreit wie am Spieß, denn die Klinge hat sich ein wenig zwischen zwei Rippen gebohrt. Ich drehe sie so, dass ich sie zwischen ihnen hindurch tiefer drücken kann. Der Schrei geht ins Röcheln über, aus dem Mund dringt plötzlich Blut.
Und dann erstarrt er. Sein Körper bäumt sich auf. Wahrscheinlich ist die Klinge jetzt in sein Herz eingedrungen.
Es ist still. Unheimlich still.
Und dann erschlafft sein Körper unter mir.
Schweratmend erhebe ich mich und drehe mich um.
Vor mir steht Zama. Ohne Haare auf dem Kopf, die Haut verkohlt, das Gesicht schwarz. Aber er lebt und brennt darauf, mich zu töten. Mit einer Axt.
Ich springe zur Seite und lasse meine Klinge durch sein Gesicht fahren. Die Axt saust herab und spaltet den Brustkorb von Tande. Der scheinbar tote Körper bäumt sich erneut auf.
Hoffentlich zum letzten Mal.
Zama richtet sich schwerfällig auf. Das holt mich aus der Erstarrung und ich beginne, die Klinge in seine Seite zu rammen. Immer und immer wieder. Sein Blut spritzt, meine Hand ist schon ganz rot, auch etwas anderes hängt daran, vielleicht ein Teil seines Darms. Aber ich höre erst auf, als der unmenschliche Schrei des Kerls endlich verstummt und er langsam umfällt, auf Tande rauf, auf die Axt, die sich noch tiefer in den toten Körper frisst.
Ich sehe mich nach Raun um. Er liegt auf der Seite, beide Hände zwischen seine Beine gepresst. Gut zu wissen, dass die Männer am Ding so empfindlich sind. Das muss ich mir merken. So kann ich ihnen wehtun und nicht sie mir.
Richtig wehtun.
Raun atmet ganz flach, kaum hörbar. Seine Augen sind fast aus ihren Höhlen gequollen. Ob er mich überhaupt sieht?
Ich atme einige Male tief durch, bevor ich ihm die Kehle durchschneide, ganz so wie bei einem erbeuteten Tier.
Er röchelt nur leise, sein Körper spannt sich noch mehr an. Doch nur für kurze Zeit, sein Blut spritzt erschreckend schnell aus dem Hals. Mir wird bewusst, dass sein Herz wie verrückt rast.
Erst als er sich überhaupt nicht mehr bewegt, richte ich mich auf und trete zum Alten.
Seine Augen starren mich regungslos an.
Ich unterdrücke die Tränen. Bald werden andere kommen und seine Vorräte plündern. Wahrscheinlich sogar sehr bald schon.
Ich säubere mich, so gut es geht. Dann gehe ich in das Zimmer, in dem das Bett des Alten steht, und zerre es zur Seite. Darunter befindet sich die Falltür in einen Raum unter dem Haus, in dem er all das gesammelt hat, was er aus dem Haus seines Herrn hat mitnehmen können.
Ich nehme so viel an mich, wie ich tragen kann: Nahrung, Kerzen, zwei Messer. Ich muss mich beeilen. Die Schreie werden schon in kurzer Zeit andere anlocken und sie werden sich gegenseitig totschlagen.
Ich kann noch ein zweites Mal etwas mitnehmen, doch als ich das dritte Mal ins Haus gehen will, sind bereits andere da. Ich höre, wie sie sich streiten und ziehe mich hastig zurück.
In Zukunft werde ich besser einen großen Bogen um dieses Haus machen.
Ich kehre zurück in mein Versteck. Zünde eine Kerze an. Nach kurzem Überlegen nehme ich eine Flasche, in der sich Wein befindet. Grauhaar liebt Wein. Sie hat auch Wein und mir mal welchen angeboten. Danach ging es mir für eine Weile besser. Und dann schlechter.
Mit dem Wein gehe ich zu Grauhaar. Dabei nutze ich einen Weg, auf dem ich die Kerze brennen lassen kann, ohne dass mich das Licht verrät.
Grauhaar sieht auf, als ich ihr Versteck betrete. Hier brennt ein kleines Feuer, doch dieser Raum hat keine Fenster. Es ist ungefährlich.
„Weißt du, wer so geschrien hat?“
Ich gehe zu ihr und setze mich neben ihr ans Feuer. Dann halte ich die Flasche hoch.
„Ich habe Wein.“
„Von dem Alten?“
„Er ist tot. Sie haben ihn getötet.“
Grauhaar mustert mich nachdenklich.
„Das waren nicht seine Schreie.“
„Ich habe die Männer getötet, die ihn getötet haben.“
Sie sieht bestimmt die Blutflecken an meinem Kleid.
„Wie viele waren es?“
„Drei.“
„Und du hast sie getötet? Alle drei?“
„Ja.“
Grauhaars Gesichtsausdruck verändert sich, aber ich verstehe nicht, was er bedeutet.
„Ich würde zu gerne wissen, wer du wirklich bist“, murmelt sie.
„Ich auch“, erwidere ich. „Trinken wir jetzt den Wein?“
Grauhaar nickt. „Ja. Der Alte wird bestimmt nichts dagegen haben.“
„Er ist tot.“
„Ja.“ Sie nimmt die Flasche und trinkt aus ihr. „Er ist tot, du sagst es.“
Ich beobachte sie beim Trinken. Und frage mich, warum sie das sagt. Eigentlich war es gar nicht so schwer, die drei Männer zu töten. Ob Grauhaar das spürt und sich deswegen so seltsam verhält?
Ich beschließe, dass es mir egal ist. Jetzt ist nur wichtig, vom Wein zu trinken.
Dann geht es mir gut.
Zumindest für kurze Zeit.