Sneak Preview: Fiona – Leben

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Wir robben im Schutz des Gestrüpps heran. Das wars für unsere Geschäftskleidung. In einem der Zelte ist Bewegung zu erahnen. Viel scheint nicht los zu sein. Vielleicht Mittagspause?
„Hast du dich eigentlich schon mal gefragt, wieso du in der Firma angemailt wurdest?“, erkundigt sich Katharina.
„Klar. Was glaubst du, warum ich so hektisch reagiert habe? Wer auch immer dahinter steckt, weiß eine Menge.“
„Allerdings. Ben vertraust du?“
„Ja!“ Ich starre sie empört an. Sie grinst. „Schon gut, ich wollte ihm nicht nahetreten. Aber jemand muss gute Kontakte zur Polizei haben.“
„Frost.“
„Kann sein. Mich interessiert eher, wer hinter Frost steckt.“
„Lass es uns herausfinden!“ Ich springe auf und marschiere auf das Lager zu.
„Fiona!“, ruft Katharina unterdrückt. Da ich nicht reagiere, rennt sie hinter mir her. Sie sieht wütend aus. „Bist du durchgeknallt?“
„Immer.“
Die Wut macht auf ihrem Gesicht einem Grinsen Platz. „Echt, du bist völlig bescheuert.“
„Gibs zu, das liebst du an mir.“
„Das stimmt.“
Wir erreichen das Lagerfeuer und bleiben stehen. Aus einem der Zelte treten zwei junge Männer und mustern uns neugierig.
„Hi“, sage ich fröhlich. „Seid ihr Pfadfinder?“
Das bringt sie zum Lachen. Kann ich gut, Leute zum Lachen bringen. Zumindest für kurze Zeit. Meistens weinen sie am Ende.
„Okay, war nur ein Scherz. Frost schickt uns.“
Schlagartig werden sie ernst. „Wer?“
„Frost. Wisst ihr doch.“
„Schon mal was von subtilen Fragen gehört?“ Katharina beugt sich zu mir herüber und flüstert es in mein Ohr.
„Keine Ahnung, wer das ist“, sagt einer der jungen Männer. Er trägt einen tarnfarbenen Kampfanzug. „Was genau wollt ihr überhaupt?“
„Kannst du dir das nicht denken?“, erwidere ich keck und gehe forsch auf ihn zu. Er zieht plötzlich eine Pistole und richtet sie auf mich. Sein Kumpel macht dasselbe mit Katharina. Dabei rufen sie nach den anderen. Wir stehen auf einmal sechs jungen Männern gegenüber, die alle einen tarnfarbenen Kampfanzug tragen. Sie sind uniformiert.
„Ich liebe deine subtile Art“, bemerkt Katharina.
„Meine was?“ Und an den ersten jungen Mann gewandt: „Ist das alles? Nur sechs Leute? Da fühle ich mich direkt unterfordert!“
Er grinst. „Wir sind nur die Wache. Also, wer seid ihr und was genau wollt ihr?“
„Mein Name ist Fiona Flame.“ Ich registriere, wie sie sich plötzlich alle anspannen. „Wir wollten mit eurem Chef sprechen.“
„Der ist nicht da“, erwidert mein Gesprächspartner, sichtlich nervös. „Und er wird nicht mit euch sprechen wollen. Ihr solltet jetzt besser gehen.“
„Warum denn? Ich bin schrecklich neugierig. Was treibt ihr hier eigentlich so?“
Er hebt die Pistole höher, bis die Mündung auf meinen Kopf zeigt. „Ich weiß, wer und was du bist. Wenn ich dir das Gehirn wegpuste, bist du zumindest lange genug außer Gefecht gesetzt, dass wir dich unschädlich machen können.“
„Ihr könnt mich nicht unschädlich machen.“
„Oh doch.“ Er zieht einen Dolch. „Damit können wir dich ein für allemal aus diesem Universum entfernen.“
„Visz“, sagt Katharina. „Wie kommt ihr denn daran?“
„Das wüsstest du wohl gerne. Du siehst nervös aus. Wie heißt du eigentlich, Blondie?“
Katharinas Gesichtsausdruck verändert sich nicht. Jedenfalls kaum. Wahrscheinlich merkt es niemand außer mir. „Nomén.“
Spannend, dass sie diesen Namen nutzt. Doch die Reaktion der sechs Männer beweist, dass sie damit richtig liegt. Ich erkenne die Bewegung des Zeigefingers am Abzug der Pistole, die auf meinen Kopf gerichtet ist und werfe mich zur Seite. Die Kugel verfehlt mich, genau wie die nachfolgenden. Dann bin ich schon bei dem jungen Mann angekommen und trete ihm die Waffe aus der Hand. Die andere Hand mit dem Dolch stößt in meine Richtung. Ich wehre sie mit dem Unterarm ab, gleichzeitig eine Halbdrehung vollführend. Mein Ellbogen trifft auf die Nase und zertrümmert sie.
Ich verschaffe mir hastig einen Überblick. Katharina ist auch nicht untätig geblieben und bricht gerade einen Arm. Die vier anderen Männer teilen sich auf. Einer von ihnen ist mir schon ganz nahe. Viel zu nahe.
Ich schaffe es nicht ganz, seinem Schlag auszuweichen und verliere den Halt. Zum Glück setzt mich der Schlag, dessen Wucht mich überrascht, nicht außer Gefecht, und ich rolle mich auf dem moosbedeckten Boden ab. Dadurch entgehe ich seinen Fußtritten und kann schließlich meinen eigenen Fuß zwischen seinen Beinen platzieren. Das lässt ihn zusammenknicken.
Bleibt noch der dritte Kerl. Dieser scheint zu der Einsicht gelangt zu sein, dass sie uns unterschätzt haben und wählt die Flucht. Als ich aufspringe, dreht er sich um und feuert in meine Richtung. Ob er eine eigene Waffe hat oder die von dem ersten Kerl aufgesammelt hat, weiß ich nicht und ist mir auch egal, während ich der Kugel aus dem Weg hechte. Im Flug sehe ich, dass Katharina weniger Glück hat und getroffen zusammenbricht. Ich rolle mich ab und nutze den Schwung, wieder auf die Füße zu kommen, und laufe auf den Schützen zu, der Katharina getroffen hat. Er sieht mich kommen, dreht sich um und folgt seinem fliehenden Kumpel in den Wald hinein.
Ich überlege nicht lange und renne zu Katharina, die stöhnend auf dem Boden liegt. Die Kugel hat sie in der Leiste getroffen. Sie wird sich bald erholt haben, aber es dürfte höllisch wehtun.
„Hat dir niemand gesagt, dass man Kugeln ausweichen kann?“, erkundige ich mich. Dann reiße ich ihre Bluse auf. Beim Anblick ihres nackten Bauchs muss ich schlucken, denn ich sehe plötzlich ihren ganzen Körper nackt vor mir. Was noch schlimmer ist, ich spüre ihn auch. Ihre Antwort holt mich ins Jetzt zurück.
„Du bist ein dämliches Arschloch.“
„Da hast du recht“, erwidere ich. „Ich sollte die Kugel rausholen.“
„Tue das!“
Ich sehe sie an. Es muss wirklich wehtun, ihr Gesicht ist tränenüberströmt. Ich werfe einen Blick auf die anderen Möchtegernnazis, aber die sind vorläufig inaktiv. Lange werden sie nicht in diesem Zustand bleiben, ich sollte mich daher beeilen. Und eins steht fest: Diese Kerle sind genausowenig gewöhnliche Menschen wie wir.
„Tut mir leid“, murmele ich, bevor ich mit den Zeigefingern die Wunde aufspreize. Katharina stöhnt auf. „Mach weiter!“, befiehlt sie, als ich zögere. Ich nicke und schiebe einen Zeigefinger in das Loch. Dank meines Engelsjobs bin ich nicht besonders empfindlich, aber dennoch würde ich meinen Finger viel lieber an einer ganz anderen Stelle bei Katharina reinschieben. Ich atme tief durch.
Endlich finde ich die Scheißkugel. Vorsichtig ziehe ich sie mit einem Finger nach oben. Dass dies die Schmerzen nicht lindert, höre ich deutlich. Ich spare mir eine weitere Entschuldigung, stattdessen beeile ich mich lieber. Schließlich kann ich die Kugel mit Daumen und Zeigefinger rausholen und halte sie hoch.
„Schön“, sagt Katharina gepresst. „Dann können wir ja jetzt weitermachen!“
Ich nicke und helfe ihr, sich aufzusetzen. Unsere Gesichter berühren sich dabei. Verflucht. Zum ersten Mal in meinem Leben werde ich nass zwischen den Beinen, während ich mich mitten in einer Kampfhandlung befinde. Das kann so nicht weitergehen.
„Wir müssen herausfinden, was die in Wirklichkeit sind“, sagt Katharina. „Jedenfalls keine Menschen, zumindest keine gewöhnlichen.“
„Das ist wohl wahr.“
Als ich aufstehe, um einen der vorhin noch inaktiven Kerle zu fragen, stelle ich fest, dass sie verschwunden sind. Die Geländewagen stehen noch da, nur unsere Freunde sind weg. Wir waren so vertieft in die Operation, dass sie sich unbemerkt davonstehlen konnten. So wie es aussieht, in den Wald.
„Ups“, sage ich.
„Na dann. Weit können sie ja nicht sein.“
„Ich glaube eher, die wollen mit uns spielen.“
„Das glaube ich auch. Spielen wir mit?“
Ich betrachte sie fragend. „Was macht die Wunde?“
„So gut wie verheilt. Du hast Talent als Ärztin.“
„Die armen Patienten! Also gut, teilen wir uns eben auf.“
Ich halte mich links. Mindestens zwei von denen haben eine Schusswaffe, wahrscheinlich aber alle. Außerdem haben sie übermenschliche Kräfte. Alleine hätten sie weder gegen Katharina noch gegen mich eine Chance, aber gemeinsam sind sie stark.
Ich konzentriere mich auf meine Sinne. Sehen, hören – und spüren. Meine Fähigkeit, die Grenzen der Gefrorenen Welt durchzudringen, kommt mir immer mehr zugute. Auch wenn es noch sehr rudimentär und weit von dem entfernt ist, was ein Zauberer kann, hilft es mir jetzt sehr. Ich erkenne Lebewesen in meiner Nähe an ihrem Energieflimmern. Wie bunte Wolken sehe ich sie, so ähnlich, wie durch Infrarotbrillen.
Sie haben sich verteilt und verharren hinter Bäumen. Hoffentlich verfügen sie nicht ebenfalls über erweiterte Wahrnehmung, denn sonst ist es nichts mit Überraschung. Aber ich glaube, nicht einmal Katharina kann Energiespuren so deutlich sehen wie ich.
Geduckt, immer in Deckung vom Gestrüpp, laufe ich in einem weiten Kreis um die uns auflauernden Jungs herum. Mit etwas Glück gelingt es mir, sie von hinten der Reihe nach unschädlich zu machen. Oder wenigstens einige.
Zumindest sieht es ganz danach aus, dass sie nichts von ihrem bevorstehenden Unheil ahnen und demnach ihre Fähigkeiten doch sehr eingeschränkt sind. Ich nehme mir denjenigen zuerst vor, der am weitesten außen lauert. Dabei kommt mir mein eigener Atem unglaublich laut vor. Aber anscheinend sind diese Werwölfchen auch noch schwerhörig. Ich kann den ersten schon mit bloßem Auge sehen, nur ein umgestürzter Baumstamm trennt mich von ihm. Er steht an einen Baum gepresst, in der rechten Hand eine Pistole haltend, mit der Mündung nach oben. Er starrt angespannt in die Richtung, in der er mich eher vermutet als hinter sich.
Wie in einem schlechten Film trete ich auf einen Zweig, der zwar nicht knackt, aber dennoch ein Geräusch macht. Ich verharre sofort regungslos. Leider ist meine Beute nicht schwerhörig genug. Dass in dem Moment, als er sich nach mir umdreht, irgendwo ein Schuss erklingt, rettet mich allerdings. Für einen Sekundenbruchteil oder so ist er abgelenkt, und das reicht mir auch schon. Ich bin bei ihm, bevor er seine Pistole auf mich richten könnte und danach kann er es nicht mehr. Ich werfe mich mit aller Kraft gegen ihn und erst der Baumstamm stoppt uns. Der Kerl stöhnt unterdrückt auf. Wahrscheinlich raubt ihm mein Ellbogen im Magen den Atem. Ich gehe kein Risiko ein, mit einem Schlag von unten gegen sein Kinn breche ich ihm das Genick.
Jetzt habe ich auch eine Pistole. Das ist doch schon mal was. Ich sehe mich nach den anderen um. Sie rennen wie aufgescheuchte Hühner durch den Wald. Geduckt, mit der Pistole im Anschlag, begebe ich mich in Deckung. Zwei von den verbleibenden fünf Jungs sind in der Nähe. Ich entscheide mich für den, den ich besser im Blickfeld habe, und lege auf ihn an. Der Schuss sitzt, was für die Pistole spricht.
Dann höre ich etwas von der Seite und fahre herum. Das rettet mich, aber dennoch werde ich getroffen. Wie ein Hammerschlag erwischt es mich an der rechten Schulter. Meine Waffe fliegt im hohen Bogen davon und ich lande auf dem Boden.
Das darf Katharina nicht erfahren. Es ist doch so einfach, einer Kugel auszuweichen.
Während aus der Entfernung Schmerzensschreie zu hören sind, die ich nicht Katharina zuordne, bleibt der Werwolf, der mich erwischt hat, neben mir stehen und richtet seine Pistole auf meinen Kopf.
Stöhnend richte ich mich auf einen Ellbogen gestützt auf.
„Keine Hektik“, sagt der Kerl grinsend. „Das ging ja ziemlich leicht. Vielleicht bist du doch nicht so gut, wie man sich erzählt.“
„Was erzählt man sich denn so?“, erkundige ich mich und zwinge mich, nicht in die Mündung zu starren.
„Dass du sehr, sehr gefährlich bist. Aber das sehe ich anders.“
„Ach ja?“ Ich schlage mit der linken Hand seine Pistolenhand weg und die Waffe fliegt davon. Durch den Schmerz bin ich zu langsam, der Kerl schafft es, hinter seiner Pistole herzuhechten. Immerhin gelingt es mir aber, mich auf ihn zu werfen, bevor er seine Waffe krallen kann. Ich packe sein Handgelenk mit der einen Hand, mit der anderen seinen Kopf. Er ist deutlich größer und muskulöser als ich, aber ich verfüge über Engelskräfte. Er ist dennoch fast so stark wie ich.
Der Geruch seines Blutes steigt in meine Nase. Er scheint nicht verletzt zu sein, dennoch kann ich sein Blut deutlich riechen. Dann wird mir klar, dass ich im Eifer des Gefechts mein Gesicht an seinen Hals gedrückt habe. Ich zögere nur kurz, dann schlage ich die Zähne in sein Fleisch, reiße die Schlagader auf und sauge gierig sein Blut. Obwohl ich genauso überrascht bin wie er, lasse ich trotz seiner heftigen Gegenwehr nicht locker.
Sein warmes Blut strömt in meinen Mund, ich habe Mühe, schnell genug zu schlucken. Bald lassen seine Bemühungen, mich loszuwerden, nach und sein Körper beginnt zu erschlaffen. Ich höre mit dem Trinken erst auf, als er sich gar nicht mehr bewegt.
Ich hebe keuchend den Kopf und sehe Katharina, die nicht weit entfernt steht und uns schweigend beobachtet.
„Bist du schon lange da?“, erkundige ich mich.
Sie schüttelt den Kopf. „Was ist passiert? Ich hatte bisher nicht das Gefühl, dass du dich in einen Vampir verwandelt hast.“
„War mir auch nicht bewusst“, erwidere ich. Das warme Blut ist auf meinem Gesicht verteilt und tropft auf den Kopf des toten Nazis hinunter. „Ich … was ist mit den anderen?“
„So wie es aussieht, sind alle tot“, antwortet Katharina ungerührt.
Ich atme tief durch, dann setze ich mich auf. „Ich hatte plötzlich den Geruch seines Blutes in der Nase, da habe ich einfach zugebissen.“
„Ja, du hast eine gewisse Blutaffinität. Du hast damals auch mein Blut getrunken, erinnerst du dich?“ Und sie erinnert sich doch! Ich nicke und erwidere: „Aber nur ein paar Tropfen.“
Katharina lächelt. „Sonst hätte ich auch protestiert. Wie auch immer, wir wissen nicht mehr als vorher, und da sie tot sind, können wir sie ja auch schlecht fragen.“
„Apropos tot … was ist das für eine Geschichte mit dem Visz-Dolch?“ Ich erhebe mich langsam.
„Der Dolch … den sollten wir uns holen. Komm.“ Ich folge ihr, als sie losmarschiert. Dabei erzählt sie: „Normalerweise bedeutet der Tod die Vernichtung der materiellen Existenz und Freisetzung der Seele. Die Seele verbleibt im Universum, also in der Verborgenen Welt. Na ja, es gibt ja eigentlich keinen echten Unterschied zwischen der Verborgenen Welt und der Gefrorenen Welt, wie du inzwischen ja weißt. Normalerweise. Also, ich habe keine Ahnung, wo Visz eigentlich herkommt, aber man sagt, es sei göttlicher Stoff und nicht aus dem Universum. Frag mich nicht, was das bedeutet. Aber wenn man einen Visz-Dolch dreimal schnell hintereinander im Herzen eines Wesens – oder was dem Herzen entspricht – umdreht, dann wird die Seele dieses Wesens aus dem Universum unwiderruflich gelöscht.“
„Oh. Shutdown für immer? Böse.“
„Ja. Zum Glück ist es nicht ganz einfach, an einen Visz-Dolch ranzukommen. Und dreimal drehen in etwa einer Sekunde schafft auch nicht jeder.“
„Hm. War es das, was der Krumana-Dämon meinte?“
„Möglicherweise.“ Wir finden den Werwolf, der vorhin den Dolch bei sich hatte. Er hat ihn immer noch. Katharina betrachtet ihn nachdenklich. „Dieses Ding ist in der uns bekannten Welt unzerstörbar. Hier, nimm ihn.“
„Ich?“
„Ja. Ich habe zu Hause schon einen.“
Ich nehme den Dolch. Es ist ja nicht zum ersten Mal, dass ich einen in der Hand halte. Ich erinnere mich sogar noch an den Geschmack der Klinge. Ein komisches Gefühl, etwas zu berühren, was nicht aus dieser Welt stammt. Göttliches Material? Was zum Teufel ist damit gemeint?
Ich stecke den Dolch in den Hosenbund.
„Spieß dich nicht auf“, bemerkt Katharina grinsend.
„Nicht mit einem Dolch“, erwidere ich. „Komm, wir schauen uns mal um. Wir wissen immer noch nicht, wer die sind und was das mit der Mail zu tun hat.“
Katharina nickt. Wir durchsuchen die Zelte und die Autos, finden aber nichts, was uns irgendwie weiterbringen könnte. Da die Gefahr besteht, dass der Rest der Truppe wiederkommt, verlassen wir das Lager. Unbemerkt gelangen wir zum Auto und schließlich nach Skyline zurück. Von unterwegs ruft Katharina Elaine an, erzählt ihr in Stichworten, was geschehen ist und bittet sie, sich umzuhören, was das für eine Organisation ist.
„Sie ist unbegeistert“, sagt sie, nach dem sie aufgelegt hat.
„Ich auch. Das bedeutet nämlich, dass meine Familie in Gefahr ist. Und mir gefällt der Gedanke nicht, dass irgendwelche übermenschliche Wesen hinter ihnen her sind.“
„Sie sollten sich verstecken.“
Sie hat recht. Ich wähle die Nummer von James.
„Hi Schatz“, meldet er sich.
„Hi. Katharina ist bei mir auf Lautsprecher. Wo seid ihr?“
„Zu Hause, bewacht von einer Armee.“
„Ich fürchte, diese Armee kann nichts gegen die Bedrohung ausrichten. Wir hatten gerade eine kleine Auseinadersetzung mit ein paar Kerlen, von denen wir nicht wissen, wer und was sie sind. Aber es war echte Arbeit, mit ihnen fertigzuwerden.“
James schweigt. Er weiß genau, was mein letzter Satz bedeutet.
„Schatz, ihr müsst euch verstecken.“
„Verstecken?“
Ich werfe einen gequälten Blick auf Katharina, die die Augen verdreht. „Ja. Du bist nicht unsterblich. Und Sandra auch nicht.“
„Bist du sicher? Aber egal, sie kann ja in ein Versteck gebracht werden. Ich bin es gewohnt, in gefährlichen Situationen handlungsfähig zu bleiben.“
„Du warst es gewohnt!“, erwidere ich scharf.
„Wie bitte?“
Das kann ja heiter werden. Katharina legt mir eine Hand auf den Arm. „Hi James, Katharina hier. Deine Holde wird mich wahrscheinlich gleich verprügeln, aber ich verstehe dich. Daher schlage ich vor, dass du und die Armee Sandra und deine Schwiegereltern zu mir fahrt. Mein Anwesen ist magisch geschützt, da sind sie sicher. Wir fahren jetzt auch dorthin und treffen uns dort. Dann überlegen wir gemeinsam, wie du dich beteiligen kannst. Möglicherweise sind deine alten Kontakte hilfreich. Einverstanden?“
„In Ordnung. Aber sag deinen magischen Kräften, dass sie nicht versuchen sollen, mich dort festzuhalten.“
„Keine Sorge, das ist nicht meine Art. Bis gleich.“
Ich starre Katharina an, bis sie ins Lenkrad greift und uns wieder auf Kurs bringt.
„Was war das denn?“
„Ich habe einen Ehekrach abgewendet. Gern geschehen.“
Ich starre wieder nach vorne und bemühe mich, nicht auszurasten.
„Fiona, was ist dein Problem? Wir haben grad mal keine Zeit für psychotische Anfälle.“
„Psychotische Anfälle?!“
„Yap! Also, sei so lieb, und fahr uns zu mir. Adresse kennst du ja. Hier läuft irgendeine Schweinerei, und zwar eine große, also lass uns jetzt bitte uns darauf konzentrieren.“
Sie hat leider recht. Wenn ich zusammenfasse, was wir haben, kommt wirklich was Großes dabei raus. Eine Werwolf-Gruppe, die keine ist, aber über mindestens einen Visz-Dolch verfügt … verfügte und außerdem übermenschliche Fähigkeiten besitzt. Die Größe der Gruppe kennen wir nicht einmal. Sie wissen weiterhin, wer und was ich bin, wo ich arbeite und wohl auch, wo ich wohne. Und wir haben noch einen Krumana-Dämon, anscheinend eine wahrhaft höllische Vernichtungsmaschine, wie es sie seit 10.000 Jahren nicht mehr geben dürfte. Zu guter Letzt haben wir einen quasi vom Himmel gefallenen Politiker, der Präsident dieses Landes werden will. Mal eben so.
Doch, das könnte was Großes sein.