Leseprobe 1: Fiona – Entscheidungen

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James sitzt an seinem Laptop, als ich nach Hause komme. Ich lege die Arme von hinten um ihn und drücke meine Wange an seine.
„Was ist passiert?“, fragt James.
Ich muss lachen. „Vor dir kann ich keine Geheimnisse haben, mein Schatz. Bin ich für dich wirklich ein offenes Buch?“
„Na, jetzt hast du es mir schon mitteilen wollen, dass etwas passiert ist. Kann nicht wissen, wann du etwas vor mir verschweigst und ich es nicht mitkriege.“
„Niemals!“, antworte ich entrüstet.
„Okay“, erwidert James lächelnd. „Also gut, erzähl mal, was hast du erlebt?“
„Ich möchte ein Glas Rotwein, bitte.“
Während ich mich nackt ausziehe und auf das Sofa werfe, holt James eine Flasche und zwei Gläser, schenkt uns beiden ein und setzt sich neben mich – angezogen. Ich ziehe eine Schnute.
„Ich bin wohl alt und hässlich?“
„Nein, aber wenn ich mich auch ausziehe, erzählst du mir nichts. Vielleicht ziehe ich mich nachher zur Belohnung aus.“
„Du bist gnadenlos und gemein. Cheers!“
Lächelnd nimmt er einen Schluck aus seinem Glas. „Nun?“
Während ich überlege, womit ich anfange, fällt mir alles wieder ein, was Drol Wayne erzählt hat. Ich setze mich mit angezogenen Beinen auf das Sofa. Dann blicke ich James in die Augen.
„Für was hältst du mich?“
„Wie meinst du das?“
„Beantworte einfach die Frage mit dem, was dir spontan dazu einfällt. Für was hältst du mich?“
„Okay.“ James holt tief Luft. „Ich halte dich für eine ganz besondere junge Frau, die noch nicht genau weiß, was sie vom Leben will.“
Ups. „Du meinst, ich bin auf der Suche?“
„Ob du auf der Suche bist? Keine Ahnung. Man muss nicht auf der Suche nach etwas sein, was man nicht hat. Nein, ich habe bis jetzt eher nicht den Eindruck, dass du auf der Suche warst. Vielleicht hat sich das gerade geändert.“
Ich kaue auf meiner Unterlippe rum, allerdings nur kurz, denn James beugt sich zu mir rüber und berührt meine Unterlippe mit dem Mund. Sofort öffne ich meinen Mund und begehre mit der Zunge Einlass. Lächelnd zieht sich James wieder zurück.
„Das sieht zwar sehr sexy aus, wenn du an deiner Lippe rumnagst, aber selbstverletzendes Verhalten dulde ich nicht“, sagt er.
„Arschloch.“ Ich begieße meinen Kummer mit Wein. „Erinnerst du dich an Drol Wayne?“
James schüttelt den Kopf. „Sollte ich? Wer ist das?“
„Nein, solltest du nicht. Aber es hätte trotzdem sein können. Er war damals, vor zwei Jahren, nachts an meinem Bett und hinterließ mir seine Visitenkarte.“
„Ich erinnere mich“, sagt James nickend.
„Ich habe ihn heute, vorhin, getroffen.“
„Aha. Muss ich eifersüchtig sein?“
„Auf Drol Wayne? Nein, eher nicht.“ Ich kriege einen Lachkrampf, verschütte das halbe Glas und brauche eine Weile, um mich wieder zu beruhigen. Danach schenkt mir James neuen Wein ein und hält mir das Glas hin.
„Nächstes Mal gib mir das Glas erst, okay?“
„Ja, okay, mein Schatz.“ Ich nehme einen großen Schluck. „Drol Wayne behauptet, der Statthalter Gottes auf der Erde zu sein.“
„Aha.“
„Ja, so ging es mir auch. Dann erzählte er noch, ich sei eine Kriegerin. Ich hätte mich vor der Zeugung dafür entschieden, um auf diese Weise mit für das Gleichgewicht zu sorgen.“
„Für das Gleichgewicht von was?“
„Das konnte er mir leider nicht so ganz genau sagen. Ich nehme an, irgendwie für das Gleichgewicht zwischen gut und böse. So ähnlich jedenfalls.“
James mustert mich nachdenklich. „Was denkst du?“
Ich seufze. „Ich kann ihn leider nicht nicht ernst nehmen. Dazu wusste er zu viel über mich. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich davon halten soll. Ich meine, was vor zwei Jahren passiert ist, das geht doch eigentlich darüber hinaus, was eine 23jährige tun könnte. Oder?“
„Da ist was dran“, sagt James. „Kann eine Kriegerin denn so was?“
„Ja, ich glaube schon. Auch das mit dem schnellen Heilungsprozess würde da gut ins Bild passen.“ Ich kratze mich am Kopf. „James, wenn das alles wahr ist, dann ist mein gesamtes bisheriges Weltbild für den Arsch!“
„Warum?“
„Was?“ Ich starre ihn entgeistert an.
„Warum eigentlich? Was in deinem bisherigen Weltbild schließt die Möglichkeit aus, dass du kein Mensch wie alle anderen bist? Oder dass es so was wie Gott gibt? Wieso sollte es nicht reichen, dass du dein Weltbild einfach erweiterst? Wieso muss es gleich für den Popo sein?“
„Jaaames …“
„Ja?“
„Ich vernasch dich gleich, wenn du noch mal Popo sagst!“
„Es macht dich an, wenn ich Popo sage?“ Jetzt ist es an James, entgeistert zu blicken.
Statt einer Antwort nehme ich seine Hand und führe sie zwischen meine Oberschenkel. Seine Augen weiten sich. „Okaaaay …“
„Also, Schatz, wenn wir weiter diese Sache mit dem Weltbild und so besprechen sollen, dann unterlass es bitte, mich zum Auslaufen zu bringen.“
„Ich werde mich bemühen.“
„Sehr gut.“ Ich atme tief durch. „Also, Weltbild. Ich weiß eigentlich gar nicht genau, was ich für ein Weltbild habe. So klar habe ich es mir noch nie definiert.“
„Wie fast alle Menschen.“
„Scheiße … wir vegetieren eigentlich so dahin, oder?“
„Möchtest du auf die Metaebene, mein Schatz?“
„Du bist echt ein Arschloch, mein Schatz. Nein, möchte ich nicht. Ich möchte eigentlich nur irgendwie einen Weg für mich finden, mit dieser Geschichte umzugehen.“
„Und warum denkst du dann darüber nach, statt es zu tun?“
„Du bist manchmal erstaunlich pragmatisch, mein Lieber!“
James grinst. „Oh oh, jetzt wird aus Schatz Lieber. Sollte ich mich in acht nehmen? Ich bin doch immer pragmatisch. Das weißt du doch.“
„Hm.“ Ich trinke den Wein aus. „Gut, dann werden wir jetzt ganz pragmatisch ficken. Und ich dulde keine Widerrede!“
„So auf Kommando? Vergiss es. Das Mindeste ist, dass du mich fängst.“
„Kein Problem … hey, wir haben noch gar nicht angefangen!“ Ich stelle hastig das Weinglas ab und laufe hinter James her, der natürlich einen erheblichen Vorsprung hat. Für sein Alter ist er ja ziemlich fit. Ich hole ihn erst im Garten ein und werfe mich auf ihn. Wir rollen uns im Gras, bis ich es schaffe, auf ihm zu liegen.
„Wir könnten beobachtet werden“, sagt er grinsend.
„Das ist mir scheißegal“, erwidere ich und reiße ihm die Kleider vom Leib.
Ihm ist es dann auch egal. Er stöhnt auf, als ich ihn in mich eindringen lasse, dann verschließe ich seinen Mund mit meinem. Wir lieben uns lange und intensiv.

Später stehen wir frisch geduscht und angezogen vor der Tür meiner Eltern, um Danny abzuholen, der heute seinen Tag hier verbracht hat. Wenn meine Eltern schon kein Enkelkind haben, dann toben sie sich wenigstens an Danny aus, der das durchaus zu würdigen weiß. Dennoch begrüßt er uns freudig bellend, nachdem ich die Tür aufgeschlossen habe, um dann sofort begeistert zurückzurennen. Er ist mit irgendwas noch nicht fertig, und ich bin mir sehr sicher, dass es sich dabei um Essen handelt.
Wir finden ihn und meine Eltern im Salon, alle drei beim Abendessen.
„Wollt ihr auch was essen?“, fragt meine Mutter zum Empfang. „Nicholas, würden Sie noch …“
„Stopp!“, rufe ich. „Ich habe keinen Hunger. Was ist mit dir, James?“
James winkt ab.
„Schade. Ganz sicher nicht?“
„Ganz sicher, Mama. Eigentlich wollten wir nur Danny holen.“
„Aber ihr bleibt doch wenigstens auf einen Drink?“, erkundigt sich mein Vater. Dabei grinst er andeutungsweise.
„Das können wir machen. Wir setzen uns schon mal in den Garten, ihr könnt in Ruhe zu Ende essen und kommt dann nach. Einverstanden?“
Mama nickt seufzend. Ich nehme James an der Hand und ziehe ihn mit mir nach draußen auf die Terrasse, wo ich tief durchatme.
„Ich liebe meine Mutter wirklich und aufrichtig, aber manchmal nervt sie mich auch gewaltig!“
„Und ich dachte, so ein Orgasmus entspannt.“
„Einer??“
„Dann erst recht.“
Nicholas tritt auf die Terrasse und fragt nach unseren Wünschen. Ich entscheide mich für einen Whisky on the rocks, James nimmt einen Martini. Mit dem Glas in der Hand stelle ich mich neben den Pool und betrachte den Garten. Es fällt mir immer noch schwer, mir vorzustellen, dass Norman nicht mehr zwischen den Bäumen rumtobt. Ich spüre die Nähe von James. An meinem Whisky nippend starre ich zwischen die Bäume und habe das Gefühl, Schatten hin und her huschen zu sehen. Vielleicht sollte ich meinen Alkoholkonsum drosseln.
Ich erschaudere.
„Ist dir kalt?“, erkundigt sich James.
Kopfschüttelnd drehe ich mich zu ihm um. „Ich sehe wohl Gespenster. Musste grad an Norman denken.“
„Ja, ich habe manchmal auch das Gefühl, er spukt hier als Geist rum.“
Ich sehe ihn überrascht an.
„Das war metaphorisch!“, sagt er.
„Vielleicht gibt es ja Geister. Wenn es Gottes Statthalter gibt, könnte es ja auch Geister geben, oder?“
„Ja, vielleicht.“ James zieht mich an sich, und ich schmiege mich bereitwillig an ihn.
Der Abend wird dann doch noch ganz lustig. Mein Vater und James erzählen abwechselnd Anekdoten aus ihren eigentlich ganz unterschiedlichen Leben. Als wir schließlich nach Hause gehen, ist es schon dunkel und deutlich kühler. Wieder habe ich das Gefühl, Schatten zwischen den Bäumen hin und her huschen zu sehen.
Ich schließe die Augen.

Mein Gott, geht das Meeting denn nie zu Ende? Ich habe Mühe, den Ausführungen von George zu folgen, dabei ist es wichtig. Es war schließlich meine Idee, die er versucht, buchhalterisch zu erfassen. Ich atme unhörbar ein und fokussiere auf die Leinwand und die Grafik darauf, die der Projektor dorthin wirft.
Muss ein CEO wirklich was von Buchhaltung verstehen? Ich beschließe, dass ja, wenn er nicht verarscht werden will. Wenigstens die Grundbegriffe und die Grundlagen.
Ich bin sehr froh, als das Meeting endlich vorbei ist. Ich beobachte die anderen Teilnehmer dabei, wie sie den Konferenzraum verlassen und halte dabei meine leere Kaffeetasse vor mir. So findet mich meine Sekretärin vor.
„Möchtest du Kaffee, Fiona?“, fragt Monica lächelnd.
„Wie? Ach so … nein, danke. Ich mache für heute Feierabend. Und du auch, okay?“
Monica nickt und mustert mich nachdenklich. „Alles in Ordnung?“
„Ja, alles ist gut“, sage ich lächelnd. „Mir gehen nur ein paar Dinge durch den Kopf.“
Sie nickt erneut und geht. Ich folge ihr langsam, lese im Büro die neu reingekommenen Nachrichten, von denen keine dringend zu beantworten ist und schalte dann den Rechner aus. Morgen ist auch noch ein Tag. Ich muss ja nicht immer die Letzte sein.
Draußen ist noch sonnendurchfluteter Frühabend. Der Verkehr ist dicht, so habe ich viel Zeit und Gelegenheit, am Steuer meinen Gedanken nachzuhängen. Themen habe ich genug. Zwischendurch beobachte ich die Menschen um mich herum. Fußgänger, Autofahrer, Busfahrer, Leute hinter Fenstern, Leute, die vor Cafés sitzen, Leute, die sich ein Eis holen, Leute, die Pizza essen, Kinder, Erwachsene, junge und alte Menschen, allein und in Gruppen. Die ganze Stadt ist voll mit Menschen. Wieso habe ich sie bislang kaum wahrgenommen?
An einer der größten Kreuzungen der Stadt mit 5 Spuren in jeder Fahrtrichtung stehe ich auf der Linksabbiegespur und warte ungeduldig auf Grün. Die hohen Häuser auf beiden Seiten wirken plötzlich bedrückend auf mich. Die auf Westen zulaufende Sonne wirft von links die Schatten auf die Straße, während die oberen Fensterreihen rechts blendend leuchten. Ab und an blitzt ein Schatten auf. Vögel, vielleicht. Ich atme tief durch. Mein herumirrender Blick, auf der Suche nach der Ursache der blitzenden Schatten, fängt eine Szene ein, die mich sofort in helle Aufregung versetzt.
Ein Mädchen wird rechts von mir in ein Eckhaus gezerrt. Als würden die Augen des Mannes, der das Mädchen festhält, mich kurz anblitzen, dann sind beide im Haus verschwunden. Ich überlege nicht lange, gebe Gas, reiße das Steuer rum und rase vor den wartenden Autos auf das Haus zu. Wütendes Hupkonzert begleitet mich, doch im Moment interessiert mich das nicht. Ich fahre auf den abgeschrägten Gehweg hoch, stelle den Wagen dicht neben der Hauswand ab, sodass die Fußgänger problemlos an ihm vorbeigehen können und laufe in das Haus hinein. Den Wagen schließe ich mit der Fernbedienung ab. Das leise Piepsgeräusch, als die Alarmanlage aktiviert wird, hat etwas Vertrautes.
Im Treppenhaus ist es kühl. Es riecht nach Abendessen. Die Geräusche der Hochrennenden lassen mich nach oben sehen. Die beiden haben mehrere Etagen Vorsprung. Ich verfluche meine Businesskleidung und die nur bedingt zum Spurt geeigneten Sandalen, die ich anhabe, während ich hinterhereile.
Meine Hoffnung, dass ich nicht bis in das oberste Stockwerk hochrennen muss, erfüllt sich nicht. Schweratmend komme ich oben an und nehme mir vor, wieder intensiver zu trainieren. Vor mir liegt ein Korridor mit mehreren Wohnungstüren links und rechts, doch ich hatte keine Tür gehört und laufe auf die Abbiegung zu, hinter der es zu den hinteren Wohnungen gehen dürfte.
Mein Leichtsinn wird natürlich bestraft. Ich schaffe es gerade eben, der Metallstange auszuweichen, die auf meinen Kopf zielt. Welcher 1000. Sinn mich dabei leitet, weiß ich nicht. Ich verliere jedenfalls das Gleichgewicht, rolle mich ab und gegen die Wand. Das tut weh.
Während ich mich noch selbst bemitleide und gegen die plötzliche Müdigkeit ankämpfe, werde ich gepackt und hochgerissen. Ich blicke in ein verschwommenes, mir unbekanntes Gesicht.
„Du hast bewundernswerte Reflexe“, sagt eine tiefe, männliche Stimme. „Wieso folgst du uns eigentlich?“
„Was hast du mit dem Mädchen vor?“, stelle ich die Gegenfrage. „Sie ist wohl nicht freiwillig mitgegangen!“
„Was interessiert dich das denn?“ Der Kerl grinst. „Mischst du dich immer in fremde Angelegenheiten ein?“
„Eine Entführung ist keine fremde Angelegenheit“, erwidere ich. „Und jetzt lass mich los!“
„Was passiert denn sonst?“, fragt er spöttisch.
Ich führe es ihm vor. Meine Handflächen klatschen gegen seine Ohren, meine Stirn gegen seine Nase. Aufschreiend taumelt er zurück und bietet mir dadurch den Raum, Schwung zu nehmen und ihn mit meinem Körper gegen die Wand gegenüber zu pressen. Er stöhnt auf, zugleich drücke ich seinen Hals mit meinem linken Unterarm gegen die Wand.
„So“, sage ich keuchend, „das gefällt mir schon besser.“
„Mir nicht“, erwidert er gepresst. Doch das ist eigentlich nur Ablenkung, wie mir klar wird, als zeitgleich sein Knie in meinem Unterleib landet. Er stößt mich zurück und verpasst mir dann einen Tritt ins Gesicht. Während ich falle, werden mir mehrere Dinge gleichzeitig klar. Erstens, dass ich diesen Kampf verloren habe. Zweitens, dass er kein gewöhnlicher Mensch ist. Drittens, dass ich verweichlicht bin. Vor allem drittens tut weh.
Ich stehe auf allen vieren und beobachte, wie mein Blut auf den Boden fließt. Auch zwei rote Klumpen liegen unter mir. Zähne. Und meine Nase ist garantiert gebrochen. Der Wunsch, mich einfach hinzulegen, wird übermächtig.
„War das etwa schon alles?“, höre ich ihn höhnisch fragen.
Ich mobilisiere alles an Willenskraft, was in meinem verweichlichten Körper noch verblieben ist und richte mich langsam auf.
„Das hättest du wohl gerne …“
Er grinst. „Nicht schlecht. Du hast Mut. Und du bist viel stärker als ein gewöhnlicher Mensch. Normalerweise bricht so ein Tritt einem kräftigen Mann das Genick. Ich bin fast geneigt, dich für eine Kriegerin zu halten. Aber dafür bist du dann doch zu schwach.“
„Ich bin eine Kriegerin“, erwidere ich.
„Verflucht, müssen die schon so schlechtes Material nehmen?“ Der Kerl lacht. „Mir kann es nur recht sein.“ Er geht zu der Metallstange und hebt sie hoch. Ich bleibe stehen, denn zum Gehen reicht meine Kraft nicht aus. „Deine Kriegerkarriere ist jetzt jedenfalls beendet“, sagt er beim Ausholen.
Ich versuche, den Schlag mit dem Arm zu blocken. Dass der Arm das nicht aushalten kann, ist mir dabei klar, aber der Schmerz noch schlimmer als erwartet. Zum Schreien fehlt mir dennoch die Zeit, denn im Rückschwung trifft die Stange meinen Kopf. Ich höre die Knochen bersten und merke kaum, wie ich hinfalle.
„Du kannst ja gut einstecken.“ Es klingt, als wäre er ganz weit entfernt.
Dann werde ich hochgerissen und gegen die Wand geschleudert, einen Halbabsatz hinunter. Mein Kopf trifft ungebremst auf die Wand, die Wucht wirft mich zurück, auf die Stufen.
Das Letzte, was ich bewusst sehe, ist mein Körper, seltsam verrenkt auf den Stufen, der Kopf zertrümmert, eine blutige Masse daneben.
Mein Gehirn, denke ich, während dieser Gedanke sich wie ein Lufthauch auflöst.


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