Wiederkehrer: 1 + 1 = 1, oder: Ich bin ich

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Fortsetzung von Down the vampire hole.

Hier geht es zur kompletten Version (so weit schon veröffentlicht).

 

Meine Hände liegen auf dem Waschbecken, ein Bein habe ich angewinkelt, das andere durchgestreckt, der Blick ist starr auf den Spiegel gerichtet.
Trotzdem winkt mir mein Spiegelbild zu. Etwas zaghaft wirkt es, es scheint unsicher zu sein. Kann ich irgendwie sogar verstehen, ich glaube, ich biete einen ziemlich wilden Anblick.
Das größte Chaos herrscht aber anscheinend in meinem Kopf vor. Es ist absolut nicht normal, dass Spiegelbilder Dinge tun, die das Original nicht tut. Ich senke den Blick auf meine Hände, die nach wie vor auf dem Waschbecken liegen und sich nicht bewegen. Dann hebe ich den Kopf.
Mein Spiegelbild deutet erst auf mich, dann auf sich und schüttelt den Kopf.
„Was genau willst du mir sagen? Kannst du nicht sprechen?“
Die Frau auf der anderen Seite, die frappierende Ähnlichkeit mit mir hat, schüttelt den Kopf.
„Bist du Fiona?“
Sie nickt.
„Bin ich auch Fiona?“
Sie nickt.
„Aber wir sind nicht dieselbe Fiona?“
Sie nickt abermals.
„Sagt Michael die Wahrheit?“
Nicken.
„Und wieso weißt du das und ich nicht?“
Sie zuckt die Achseln, dann deutet sie auf ihren Mund. Ach so, sie kann ja nicht sprechen. Haben Spiegelbilder vermutlich so an sich.
Ich atme tief durch.
„Ist das ein Traum, ein böser Traum?“
Sie schüttelt den Kopf.
„Kein Traum?“
Erneutes Kopfschütteln.
„Also hilft es nicht, wenn ich einfach die Augen schließe und ganz doll aufwachen will?“
Sie lächelt und schüttelt den Kopf.
„Und du meinst es auch ehrlich mit mir und bist nicht Teil der Verarsche?“
Sie lächelt erneut und deutet mit einer Bewegung des Zeigefingers die Umrandung des Spiegels an.
„Meinst du damit, du bist eigentlich die echte Fiona?“
Sie nickt langsam.
„Und was zum Teufel soll ich dann jetzt tun?“
Sie zuckt die Achseln. Die Unterhaltung mit ihr ist irgendwie sehr monoton. Doch plötzlich lächelt sie und deutet nach unten.
„Ich soll zurück zu den anderen und mit diesen … diesen tanzenden Karikaturen auf die Suche nach meinen Kindern gehen?“
Sie nickt heftig.
Und ich seufze. „Das ist doch scheiße. Was soll das bringen?“
Sie nickt nicht, schüttelt nicht den Kopf, sie starrt mich nur an.
„Ja, ist ja schon gut. Ich machs. Aber allein schaff ich das alles nicht. Wirst du dabei sein? Kann ich dich in jedem Spiegel ansprechen?“
Sie nickt wieder, ziemlich langsam allerdings, und kaut dabei auf ihrer Unterlippe herum.
„Hey, lass das. Das bedeutet, dass es nicht ganz so einfach ist, stimmts?“
Sie seufzt und nickt.
„Also schön. Ich werde jetzt duschen, mir was Sportliches anziehen und mich den anderen wieder anschließen. Aber ich sage dir, das Ganze ist derart bescheuert und dämlich, dass es einfach wahr sein muss. So was Dämliches kann doch kein Mensch träumen.“
Grinsend nickt sie, dann winkt sie mir zu und verschwindet. Das heißt, sie verschwindet nicht, aber ich sehe im Spiegel nur noch mich. Auf den Waschbecken gestützt, vorgebeugt, grün und blau geschlagen.
Echt klasse. Hätte ich bloß nicht den Anruf von Jack angenommen.
Obwohl, vielleicht hat der Tote ja gar nichts mit den Vampirladys zu tun.
„Glaubst du daran?“, frage ich mein Spiegelbild, und diesmal nickt es nur, weil ich auch nicke.
Scheiß drauf. Ich ziehe mich aus und stelle mich unter die Dusche.

„Wir können los!“, verkünde ich.
Vier Augenpaare starren mich an. Irgendwie machen solche Auftritte richtig Spaß. Ich stehe in der Tür zum Salon, komplett in Schwarz, Rolli, bequeme Jeans, Stiefeletten, also Kampfanzug, halte beide Flügel der Tür auf und strahle die vier Männer an.
Diese sitzen um den großen Esstisch herum und ertränken ihren Kummer in Alkohol, mit hochwertigem Whisky, den vermutlich Ben irgendwo hergezaubert hat.
Scheiß drauf.
„Was ist denn mit dir los?“, fragt Ben verwundert.
„Ich habe beschlossen, dass ich mir nicht von irgendwelchen blöden Vampir-Tussies meine Kinder entführen lasse. Kommst du mit?“
Ben schüttelt den Kopf und deutet auf den Professor. „Der da hat mir klar gemacht, dass das keine gute Idee wäre, da ich keine übermenschlichen Kräfte habe und dabei sterben könnte.“
„Die habe ich ja auch nicht, mal von den sehr übermenschlichen Kräften einer wütenden Mutter abgesehen!“
„Das könnte schon reichen“, erwidert Michael grinsend.
„Es wird reichen!“, erwidere ich grimmig. „Also, wie geht es weiter?“
„Wir müssen wohl in die Vampirstadt“, erklärt Professor Zweistein. Wenn ich bloß wieder wüsste, woher ich den kenne …
„In die Vampirstadt?“
„Ja. Sie ist unter uns. Die gesamte Stadt wird von riesigen Katakomben unterhöhlt, und da befindet sich auch die Vampirstadt.“
„Eine Vampirstadt unter der Stadt?“
Der Professor nickt. „Die Katakomben dienten mal als Schutz vor Angreifern, wohin sich die Bewohner zurückziehen konnten. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde allerdings der Zugang dichtgemacht. In den Stadtchroniken steht, dass die Menschen das gemacht haben, weil sie die Vampire auf diese Weise loswerden wollten, aber das stimmt nicht. Es war genau andersherum, die Vampire wollten ihre Ruhe vor den Menschen haben.“
„Aha“, sagt Ben.
Ich bin wohl praktischer veranlagt als er, bin ja auch Psychologin und keine Unternehmensberaterin: „Und wie kommen wir dann in die Vampirstadt? Und wozu?“
„Die Vampire waren natürlich nicht blöd, sie haben dafür gesorgt, dass sie die Absperrung noch passieren können, nur die Menschen nicht. Es gibt eine magisch geschützte Tür, die vor der Sprengung des Zugangs eingebaut wurde. Der ganze Schutt hat sich um die Tür herum gelegt, aber die Tür selbst existiert. Allerdings ist sie für Menschen unsichtbar.“
„Ich wiederhole meine Frage: Wie kommen wir in die Vampirstadt?“
Der Professor blickt mich traurig an, und während sein Assistent Alfredo antwortet, schütte ich mir Whisky in ein Glas. Alle kriegen große Augen, als sie sehen, dass ich das Glas vollmache.
„Den brauche ich für das, was wir vorhaben“, erkläre ich und hebe das Glas. „Entschuldigung, ich habe dich unterbrochen, Alfredo!“
Das Riesenbaby zuckt zusammen. „Macht ja nichts. Wie ich gerade schon angefangen habe zu erzählen, kennen Vampire natürlich die magische Tür und wissen auch, wie sie diese öffnen können. Und wir kennen einen Vampir.“
„Wie praktisch“, sagt Michael. „Nur einen?“
Alfredo blickt ihn an. „Natürlich nicht nur einen. Aber einen, der uns helfen würde.“
„Ich dachte, ihr seid Vampirjäger“, bemerke ich irritiert.
„Ja, aber manchmal sind Allianzen hilfreich. Jedenfalls, Papa Nuki ist ein sehr alter Vampir, der keine Lust mehr auf diese ganze Vampirscheiße hat. Wir haben ihm mal das Leben gerettet, als so eine Brigade des Tageslichts ihm einen Pfahl ins Herz treiben wollte und ihm eine Stelle als Nachtwächter im Historischen Museum verschafft. Er weiß, wie wir durch die Tür kommen.“
Ich starre Alfredo an, dann den Professor.
„Papa Nuki?“
Professor Zweistein nickt. „Um diese Zeit wird er auf der Arbeit sein, wir sollten also jetzt ins Museum fahren.“
„Und Sie sind sicher, dass da keine Dinosaurier und andere Sachen durch die Gänge laufen?“
„Sie gucken zu viele schlechte Filme, Fiona.“
Ja, das wird es wohl sein. Scheiß drauf.

Papa Nuki freut sich über das Wiedersehen mit dem Professor und Alfredo. Letzterer gibt sich Mühe, möglichst großen Abstand zu Michael einzuhalten und ihn nicht im Rücken zu haben. Da ich gesehen habe, wie Michael während der Fahrt von uns zum Museum versucht hat, dem Riesenbaby die Hand unter den Hintern zu schieben, kann ich Alfredos Bemühen sogar nachvollziehen.
Dennoch hat es etwas Absurdes, denn Alfredo ist bestimmt zweimal so groß wie Michael.
Während der Professor und Alfredo mit Papa Nuki, der mich ein wenig an eine Kreuzung zwischen Yoda und Kermit erinnert, über die alten Zeiten weinen, ziehe ich Michael zur Seite.
„Sag mal, was sollte das mit Alfredo?“
„Was meinst du?“
„Du wolltest seinen Hintern anpacken!“
„Der ist ja auch süß!“
„Wenn ich das sagen würde, wäre das ja noch in Ordnung, aber du?“
Michael zuckt die Achseln. „Noch nie einen schwulen Vampir gesehen?“
„Nicht in der Realität …“ Ich beiße mir auf die Unterlippe. „Also gut, nehmen wir einmal an, das hier alles ist eine Art Matrix-Scheiße. Kannst du nicht einfach mal das Riesenbaby in Ruhe lassen?“
Michael sieht mich beleidigt an. „Warum sollte ich?“
„Weil er keine Liebesbeziehung mit dir anfangen will und das sehr deutlich zum Ausdruck bringt?“
„Sex würde mir ja schon reichen.“
Scheiß drauf. Sollen die beiden doch zusehen, wie sie das geregelt bekommen.
Ich lasse Michael stehen. Vollidiot.
In der Zwischenzeit haben die in Erinnerungen Schwelgenden alles über die alten Zeiten gesagt, was es zu sagen gab, und widmen sich der Gegenwart. Ich geselle mich dazu, denn die Gegenwart interessiert mich auch.
Papa Nuki mustert mich. Ich gebe mir Mühe, ihn nicht anzuschauen, er sieht einfach zu sehr wie eine Mischung aus Yoda und Kermit aus. Vielleicht nicht so grün, aber sonst …
„Ich werde helfen, deine Kinder zu finden. Magische Tür ich euch zeigen werde.“
Er redet ja auch noch so! Verdammt!
„Das finde ich sehr lieb von dir“, erwidere ich und mustere eine Ritterrüstung aus dem mittleren Mittelalter. Wie oft da Papa Nuki wohl hineinpasst …? Fiona, das sind keine hilfreichen Gedanken. Denk an was anderes. Egal was, Hauptsache, keine Frösche und so ein Zeug.
„Ich mich nur revanchieren will beim Professor und großen Alfredo.“
Jetzt sehe ich ihn doch an. Verarscht er uns etwa? Kurz blitzt es in seinen Augen auf und ein mikroskopisches Grinsen huscht durch seine Mundwinkel.
„Dann können wir ja jetzt gehen“, stelle ich fest. Irgendwie klingt meine Stimme heiser.
Ich bestehe diesmal darauf, vorne zu sitzen, wenn ich schon nicht fahren darf. Obwohl es mein Auto ist. Und ich bestehe darauf, dass Michael fährt, nicht der Professor wie vorhin.
So sind der Professor, Alfredo und der Papa hinten unter sich.
Alles wird gut. Ganz bestimmt.

Ich kann eine Menge wegstecken. Meine Kinder wurden von Vampiren entführt, ein schwuler Vampir erzählt mir, dass ich gar nicht die bin, für die ich mich seit 35 Jahren halte, ein anderer Vampir spricht nicht nur wie ein berühmter Yedi, sondern sieht auch noch aus, als hätten der und Kermit gemendelt, wir sind gerade stundenlang durch eine Gruft gekrabbelt, um irgendwann diese dämliche, magische Tür zu finden, und jetzt stehen wir einem buckeligen Kerl mit Fackel gegenüber.
Ich kann wirklich eine Menge wegstecken. Aber irgendwann werde ich anfangen zu schreien.
Definiv.
Nun gut, vielleicht besser nicht jetzt.
Ich blicke mich um. Es sieht aus wie ein Hotel. Das vermutlich bereits bessere Zeiten gesehen hat, so vor dem Ersten Weltkrieg. Aber unsichtbare magische Türen sind vermutlich nicht so gut fürs Geschäft. Die Wände sind grau, ob geplant oder vor Dreck, vermag ich im Licht der Fackel des Buckeligen nicht zu sagen, aber die Perser, die sie an einigen Stellen bedecken, sind auf jeden Fall teuer und sauber. Dekadenz längst vergangener Tage.
Der Fackelträger dreht sich stumm um und geht. Wir anderen wechseln einen Blick, dann eilen wir ihm hinterher. Im Moment ist er unser einziger Verbindungsmann zu den Katakomben. Diese habe ich mir zwar anders vorgestellt aufgrund der Erzählungen des Professors, aber vielleicht ist das Hotel wirklich so groß wie die Stadt darüber. Und warum sollten Vampire nicht in Hotelzimmern leben?
Der buckelige fackeltragende Rezeptionist bleibt schließlich vor einer Zimmertür stehen und öffnet sie mit theatralischer Geste. Ich trete neben ihn und werfe einen Blick in den Raum.
Ein Hotelzimmer wie aus dem letzten Jahrtausend, auf jeden Fall älter als der Erste Weltkrieg. Ziemlich spartanisch ausgestattet, aber immerhin gibt es ein Bett, einen Stuhl, einen Tisch.
Und eine Badewanne. Voll mit dampfendem Wasser.
„Was soll das denn?“
„Du musst baden, damit die Geschichte weitergehen kann“, erklärt der Fackelträger.
„Was?“ Ich werfe den anderen einen hilfeheischenden Blick zu.
„Was passiert dann?“, erkundigt sich Michael sofort.
„Die Geschichte geht dann weiter.“
„Und wenn ich nicht bade?“
„Dann geht sie nicht weiter.“
„Öhm … also gut, aber ihr bleibt alle draußen!“
„Schade“, sagt Alfredo.
Ich ignoriere es. Er kann sich ja Michael an den Hals werfen, der würde sich sogar darüber freuen.
Also betrete ich das Hotelzimmer und schlage die Tür zu. Dann blicke ich mich um. Eigentlich bin ich größere Badezimmer gewohnt, aber gut, hier geht es um Wichtigeres. Die Wände sind ebenfalls grau und aus Stein. Licht kommt von einer Kerze, die auf dem Tisch steht.
Ich trete zur Wanne und prüfe das Wasser. Es ist angenehm warm und duftet nach Tannen. Wenigstens etwas.
Meine Kleidung lege ich sorgfältig auf dem Stuhl ab, dann steige ich in die Wanne und lasse mich bis zum Hals im Wasser versinken. Es tut irgendwie gut. Ich merke jetzt doch, dass ich verprügelt wurde, wie schon lange nicht mehr. Und auch wenn es eine Vampirin war, also mit übermenschlichen Kräften, es kratzt dennoch an der Ehre.
„Nicht erschrecken.“
Warum sagen die das immer, obwohl sie genau wissen, dass sie das genaue Gegenteil damit erreichen?
Ich kriege erst fast einen Herzinfarkt, dann rutsche ich aus, als ich aus der Wanne springen will und schlucke auch noch Wasser. Hustend und prustend komme ich wieder hoch und beschließe, erst einmal doch im Wasser zu bleiben.
„Ich sagte doch, nicht erschrecken.“ Eine helle, klare Stimme. Sie gehört zu einer Frau, so viel steht fest.
Ich verrenke mir fast den Hals, um sie zu sehen. Sie steht hinter der Wanne und ich wüsste zu gerne, wo sie auf einmal herkommt. Da gibt es auf keinen Fall eine Versteckmöglichkeit.
Als sie dann in mein Blickfeld kommt, wünsche ich mir, einfach nur ohnmächtig zu werden.
„Du?!“
Sie nickt, zieht den Stuhl heran und setzt sich neben der Wanne, nah genug, um eine Hand ins Wasser hängen zu lassen.
„Ich muss gestehen, ich war auch ziemlich überrascht, als ich dich das erste Mal gesehen habe.“
„Wo … wo war das? Ich meine, wer zum Teufel bist du überhaupt?“
„Mein Name ist Fiona. Das müsstest du aber eigentlich wissen.“
Sie lächelt und ich frage mich, ob ich wirklich so dämlich aussehe, wenn ich nur am Lächeln bin, um möglichst freundlich meine Zähne zu zeigen.
„Okay. Mal ganz langsam. Du siehst aus wie ich, aber vor etwa zehn Jahren.“
Sie schüttelt den Kopf. „Mit dem Alter hat das nichts zu tun.“
„Womit dann?“ Ich mustere sie. Die Haare trägt sie kurz und ziemlich wirr, so wie ich früher, viel früher, bevor ich Ben geheiratet habe. Davon abgesehen sieht sie aus wie ich, vielleicht etwas dünner. Ihre Stimme klingt wie meine, wenn ich sie von einer Aufzeichnung höre. Eigentlich ganz angenehm. Dieselben grauen Augen, die schmale Nase, die Lippen, die Zähne … die Zähne … nein, die Zähne sind nicht genau gleich. Ich habe nicht so lange Eckzähne.
Sie lächelt wieder, als sie merkt, dass ich es entdeckt habe.
„Das ist auch ein Unterschied zwischen uns beiden, meine Liebe.“
„Hast du … hast du etwas mit den Vampiren zu tun, die meine Kinder entführt haben??“
„Ich bin ihre Chefin. Keine Sorge, deinen Kindern geht es gut, und das bleibt auch so, wenn du vernünftig bist.“
Das fällt mir gerade ziemlich schwer, am liebsten würde ich ihr an die Gurgel springen. Aber es gibt mehrere gute Gründe, das nicht zu tun.
Erstens weiß ich nicht, was dann mit meinen Kindern geschieht.
Zweitens weiß ich nicht, was dann mit mir geschieht.
Und drittens weiß ich nicht, was dann mit ihr und dadurch mit mir geschieht.
„Wer bist du eigentlich und was genau willst du von mir?“
Sie kaut auf der Unterlippe herum. Genau wie ich, wenn ich intensiv nachdenke. Hm. Sie ist ja ich. Irgendwie. Also, fast. Oder doch ganz.
Verdammt, ist das verwirrend.
„Das ist kompliziert“, sagt sie schließlich. „Vermutlich weißt du, dass du eigentlich in einer Illusion gefangen bist.“
„Vermutlich wissen das alle außer mir“, erwidere ich.
Sie lacht. Oder ich lache. Wie auch immer. Fiona 2 lacht. Lache ich auch immer so? Muss wohl so sein. Sieht ganz nett aus. Kein Wunder, dass die Jungs früher so scharf auf mich waren … ähm …
Scheiß drauf.
Fiona beobachtet mich. „Es ist schon lustig, als würde ich mir selbst zusehen. Da ich dich kenne wie sonst niemand, kann ich mir vorstellen, worüber du gerade nachgedacht hast.“
„Kannst du nicht.“
„Kann ich doch. Du hast herausgefunden, wie süß du eigentlich aussiehst.“
Das entspricht zwar nicht hundertprozentig der Wahrheit, hat aber was mit ihr zu tun.
Fiona 2 erhebt sich und geht um die Wanne herum, bis sie hinter mir steht. Sie beugt sich über mich und lässt ihre Hände an meinem Körper entlang unter Wasser gleiten. Ihre Lippen streichen über meine Wange zum Ohr hinauf und sie flüstert: „Lass uns Spaß haben, bevor es wieder ernst wird.“
Was zum Teufel …?!
„Hallo? Du bist erstens eine Frau und zweitens ich!“
„Genau, das macht es so aufregend. Eine Art Selbstbefriedigung.“
„Du meinst das nicht ernst, oder?“
„Doch, sehr ernst“, flüstert sie und lässt eine Hand noch tiefer gleiten. Ich presse die Oberschenkel zusammen.
Sie macht einen Schmollmund. „Jetzt komm schon. Ich weiß, dass es dir gefallen würde, denn mir gefällt es auch.“
Das macht mir allerdings etwas Sorge.
„Ich habe noch nie mit einer Frau … und habe auch nicht vor …“
„Du hast keine Ahnung, was dir entgeht“, flüstert sie, dabei berühren ihre Lippen meinen Mund. „Denk daran, ich kenne dich wirklich sehr gut und weiß ganz genau, was du brauchst. Niemand sonst kann dir einen solchen Orgasmus geben wie ich. Niemand.“
Ich packe ihre Hand, die sich zwischen meine Beine drängen will, und schiebe diese und ihr Gesicht weg.
„Es gibt Erfahrungen, auf die ich lieber verzichte.“
„Bedauerlich. Sehr bedauerlich.“ Sie richtet sich auf und geht wieder zum Stuhl. „Du bist völlig verweichlicht von der Zivilisation. All die Wildheit, die Ungezähmtheit, die dich mal ausgemacht hat, die existiert nur noch in mir.“
„Aha.“
„Also schön, kommen wir zum Geschäftlichen.“ Ihre Stimme ist jetzt völlig anders. Kalt und hart. Kann ich das auch? Haben meine Kinder mich auch schon so erlebt?
Scheiß … Nein, das ist mir nicht egal. Ganz und gar nicht.
Ich blicke Fiona 2 an. „Gut, kommen wir zum Geschäftlichen.“