Hört auf, mich zu lieben!

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Marie von Ebner-Eschenbach wird zugeschrieben, dass sie gesagt hat:

„Nichts macht uns feiger und gewissenloser als der Wunsch, von allen Menschen geliebt zu werden.“

Mit anderen Worten: Tue, was du willst! Auch dies übrigens ein Zitat. Gemeint ist damit aber nicht, dass du tun sollst, was du meinst zu wollen, oh nein. Gemeint ist damit, das zu tun, was wichtig und gut ist – was DU für richtig und für gut hältst. Das wird oft und gerne damit verwechselt, dass alles, was Menschen tun, gut ist, solange sie nur tun, was sie wollen.

Nein! Genau darum geht es eben nicht, wenn diese Haltung herangezogen wird, für alle Menschen Verständnis zu haben.

In Wirklichkeit bedeutet der Satz von Ebner-Eschenbach, dass Opportunisten Arschlöcher sind. Sie hat es nur, ihrer Zeit und ihrer Art entsprechend, etwas feinsinniger formuliert. Aber mal ehrlich: Was anderes sind feige und gewissenlose Menschen als Arschlöcher?

Menschen, denen nur wichtig ist, dass andere Menschen zu ihnen aufblicken, sie bewundern, sie lieben, haben sich selbst verloren. Denn sie handeln nicht nach dem, was sie für richtig und gut, ja, für wichtig, halten, sondern nach dem, wovon sie denken, dass Andere es bei ihnen für richtig und gut halten und sie dafür dann lieben. In gewisser Weise, könntest Du jetzt einwenden, tun dann diese Menschen ja auch das, was sie für gut und richtig halten. 😉

Das stimmt. Klar. Allerdings ist ihr Handeln keine direkte Auswirkung dessen, was sie gern hätten – nämlich das Geliebtwerden -, sondern das Mittel zum Zweck. Und das kann dazu führen, dass sie Dinge tun, die sich „eigentlich“ mit ihren Werten gar nicht vereinbaren lassen, weil sie aber mit diesem Handeln ihr eigentliches Ziel (geliebt zu werden) glauben zu erreichen, stellen sie ihre Werte hintenan. Das ist das, was sie eigentlich zu Arschlöchern macht. Oder wie Ebner-Eschenbach es ausgedrückt hat: gewissenlos.

Feige sind sie obendrein auch noch, weil sie sich nicht trauen, so zu handeln, dass sie möglicherweise dafür eben nicht geliebt, möglicherweise sogar abgelehnt werden. Feige darum, weil Du etwas riskieren musst, um möglicherweise sogar gegen Widerstand und auf Kosten Deiner Beliebtheit im Einklang mit Deinen Werten zu handeln.

Eine ganz andere Frage ist natürlich, warum es Menschen gibt, denen es wichtiger ist, geliebt zu werden, als den eigenen Werten und letztlich auch Wünschen und Bedürfnissen entsprechend zu handeln. Im Grunde genommen sind diese Menschen auch ziemlich arm dran, denn eins ist klar: Geliebt werden sie ganz bestimmt nicht ihrer selbst willen.

Am Ende des Tages sind sie Verlierer. Vor allem, wie schon erwähnt, haben sie sich selbst verloren.

Und ich bin mir sehr, sehr sicher, dass sie nicht glücklich sind. Selbst wenn sie es schaffen, sich selbst diesbezüglich sehr überzeugend zu belügen.