Was die Größe der Brüste über die Anzahl der Kinder aussagt

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Liebes Tagebuch, das will ich Dir auf keinen Fall vorenthalten! *immernochimlachflash*

„Du bekommst ein Kind.“
„Wie? Was?“ Ich starre meinen Bruder entgeistert an. „Wie kommst du denn darauf?“
„Du hast kleine Brüste“, sagt er, auf selbige zeigend.
„Wovon redest du eigentlich? Ich meine, ich weiß, was Brüste sind, aber was willst du mir eigentlich sagen?“
„Dass du ein Kind haben wirst.“
Ich betrachte ihn nachdenklich. Ein Siebenjähriger, gedankenverloren – dachte ich zumindest – in meinen alten Kinderbüchern blätternd, während ich mich nichtsahnend anziehe. „Ich bekomme ein Kind, weil ich kleine Brüste habe?“, frage ich nach, weil ich mir sicher bin, etwas nicht verstanden zu haben.
„Genau.“
„Wie kommst du auf diese Idee?“
„Hat Sava gesagt.“
„Sava hat gesagt, ich bekomme nur ein Kind, weil ich kleine Brüste habe?“
„Nein. Er hat gesagt, Frauen mit kleinen Brüsten bekommen ein Kind.“
„Das hat er gesagt?“
„Eigentlich hat er gesagt, dass Frauen mit großen Brüsten viele Kinder bekommen. Große Brüste, viele Kinder. Kleine Brüste, wenige Kinder. So viele Kinder wie Brüste. Ich meine, so große Brüste. Du weißt schon.“
„Nein, nicht wirklich. Sava hat gesagt, an der Größe der Brüste sieht man, wie viele Kinder eine Frau bekommt? Oder bekommen hat?“
„Nein, du verstehst das nicht!“ Norman stampft auf, denn inzwischen steht er vor mir. „Die Natur macht das. Sie weiß, wie viele Kinder eine Frau bekommt und gibt ausreichend Milch!“
„Ach so, die Brüste einer Frau sind so groß, weil sie viele Kinder bekommt? Also, dass die Milch immer ausreicht für die Zahl der Kinder? Habe ich das jetzt richtig verstanden?“
„Ja, endlich!“ Er lächelt glücklich.
Mir wird bewusst, dass ich mein T-Shirt immer noch in den Händen halte und streife es hastig über. Norman ist mir gerade etwas unheimlich.
Aber die Sache lässt mir keine Ruhe. „Mama hat doch zwei Kinder. Und mehr als doppelt so große Brüste als ich.“
„Das weiß ich nicht“, erwidert Norman, bereits wieder in Winnie Pooh vertieft.
„Was weißt du nicht?“
„Wie groß Mamas Brüste sind.“
„Na, jedenfalls groß. Viel größer als meine. Meinst du, sie bekommt irgendwann noch ein Kind?“
„Ich glaube schon.“
Ich kann nicht länger an mich halten und renne nach unten, in die Küche, wo Mama gerade herumwerkelt. Keuchend bleibe ich vor ihr stehen und beginne: „Mama, ich muss dir was ganz Wichtiges sagen!“
Sie schaut mich erstaunt an. „Du bist ja völlig außer Atem!“
„Ja, ich bin so aufgeregt! Mama, wie wird es heißen?“
„Wer?“
„Mein Geschwisterchen!“
„Sag mal, hast du Drogen genommen?“
„Nein. Norman hat mir bewiesen, dass du noch ein Kind bekommen wirst.“
„Was ist los? Hast du Fieber?“
„Mama, das ist ernst! Ich bekomme ein Kind, und weil deine Brüste mehr als doppelt so groß sind, bekommst du noch eins und wir ein Geschwisterchen. Ist doch ganz logisch!“
„Genau!“, sagt Norman, der in der Tür steht.
„Wollt ihr mich verarschen? Geht auf den Spielplatz! Ist ja unglaublich!“
„Norman, erzähle ihr, was Sava gesagt hat!“
Mama schaut mich an, dann Norman. „Was ist denn mit euch los?“
„Alles ist gut“, erklärt Norman ganz ernsthaft. „Es geht um Brüste und Kinder.“
„Um …“ Mama kriegt einen Erstickungsanfall.
„Ja. Es ist so“, doziert Norman, „jedes Kind braucht eine bestimmte Menge Milch. Das weiß ja jedes Kind. Und deswegen gibt die Natur jeder Frau genug Milch. Und die Milch muss ja irgendwohin. Nämlich in die Brüste. Und deswegen weiß man aus der Größe der Brüste, wie viele Kinder eine Frau bekommt. Und du hast noch genug für mindestens ein Kind.“
Mama starrt erst Norman an, dann mich. Ich nicke. „Jetzt weißt du es, Mama. Wie wird es heißen?“
Mamas Augen verschleiern sich. „Das … das halte ich nicht aus ..!“ Und dann beginnt sie zu lachen. Sie lacht und lacht. Und ich kann nicht anders, ich lache auch. Wir lachen gemeinsam, bis wir vor Lachen auf dem Boden liegen.
So findet uns mein Vater vor. Ich höre nur seine Stimme: „Was ist denn hier los?“ Ich schaue auf und sehe ihn neben Norman in der Tür stehen. Norman zuckt die Achseln. „Ich weiß auch nicht, was mit denen los ist. Ich habe sie halt aufgeklärt.“
„Du hast was?!“, fragt mein Vater entgeistert.
„Aufgeklärt.“
„Aufgeklärt?“ Mein Vater schluckt sichtbar, und während Mama und ich um unsere Fassung kämpfen und die Tränen abwischen, erwidert Norman vollkommen ernst: „Über die Bedeutung der Größe der Brüste.“
„Über …“ Nun hat mein Vater einen Erstickungsanfall.
„Ja, weil davon weiß man, wie viele Kinder eine Frau bekommt. Das ist ganz einfach. Und ich verstehe nicht, was es da zu lachen gibt. Ihr seid doof und ich gehe wieder lesen.“ Damit stapft er davon und nach oben.
Mein Vater schaut uns an. „Was war das denn?“
„Erweiterter Biologieunterricht“, erkläre ich mit erstickter Stimme. „Endlich kennen wir die Antwort auf die Frage, nach der die Menschen schon seit Jahrtausenden suchen: Was bestimmt die Größe weiblicher Brüste? Dabei ist die Antwort so offensichtlich, wir hatten es die ganze Zeit vor den Augen. Also, zumindest ihr Männer. Die Brüste sind groß genug, dass genug Milch für die Kinder reinpasst. Viele Kinder, große Brüste. Kleine Kinder, wenige Brüste. Äh, ich meine, ach, scheiße, ich kann nicht mehr ..!“

Ja, liebes Tagebuch, seit heute schaue ich ganz zuversichtlich in die Zukunft. Ich werde nur ein Kind bekommen, und mal ganz ehrlich, wenn es auch nur ansatzweise so sein wird wie mein lieber Bruder – ich liebe ihn wirklich!-, dann reicht das auch!

29. Juni 1997