Warum ich mich niemals wieder verlieben wollte

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Liebes Tagebuch,

mir ist wieder eingefallen, warum ich mich eigentlich niemals wieder verlieben wollte. Und dann auch noch in einen älteren Mann. Ich kann nur hoffen, dass es kein Fehler ist, James zu heiraten. Ich meine, er ist ein Volltreffer, wie ein Sechser im Lotto. Ich bin total verknallt in ihn, und vor wenigen … ich glaube, es war vor vier Jahren, da habe ich mir geschworen, dass ich mich niemals wieder verlieben werde. Und jetzt? Wenn er mich mit seinem unverschämten Spitzbubengrinsen anschaut, kriege ich weiche Knie. Und wenn er mich berührt … ich zerfließe … ich habe echt nicht gedacht, dass ich das noch einmal erleben werde.

Und weißt du was, liebes Tagebuch? Es tut heute noch weh, wenn ich daran denke. 🙁

Damals hat es so weh getan, dass ich es nicht einmal dir erzählt habe. Ich meine, es hat nicht nur weh getan. Zuerst war es einfach nur wunderschön, und ich hatte keine Zeit für dich, weil ich jede freie Minute mit ihm zusammen sein wollte. Und dann … dann passierte es. Boah ey, mir kommen schon wieder die Tränen. Dabei ist es schon wirklich vier Jahre her … ich war 19.

Ich erzähle dir einfach die Geschichte, vielleicht hilft es. Was soll James denken, wenn er nach Hause kommt und mich total verheult vorfindet? Klar könnte ich ihm was vorlügen, zumindest versuchen. Dieser Mistkerl durchschaut mich sofort. Vor dem kann ich nichts verheimlichen. Irgendwie ist das unheimlich, wie er immer genau weiß, was ich fühle. Das hat bisher nur einer geschafft, Phil. Ja, so hieß er: Phil.

Sorry, liebes Tagebuch, ich musste mal eben raus, das wurde grad zu viel. Jetzt geht es. Also … Greg war schuld. Von Greg habe ich dir erzählt. Erinnerst du dich? Dieses Arschloch, der sich einbildete, ein Gangleader zu sein. Fing sogar an, Karate zu lernen. Hat ernsthaft gedacht, er könnte kämpfen. Jedenfalls lernte ich ihn durch den Kampfsport kennen. Er sah ja so gut aus, und bevor frau ihn kennenlernte, konnte frau schon auf ihn reinfallen. Charme hatte er, definitiv. Und ich war eh kein Kind von Traurigkeit. Nach dem Training setzte er sich in der Bar neben mich und stellte eine Cola vor mir auf den Tisch.
„Für dich“, sagte er.
Ich schaute ihn aus großen Augen an. Meine Augenbrauen müssen irgendwo am Haaransatz gewesen sein.
„Das ist Cola“, erklärte er grinsend.
„Ach ne, echt jetzt?“
„Steht zumindest drauf.“
„Tatsächlich. Und was soll ich damit?“
„Trinken.“
„Trinken? Nö, ich entscheide selbst, was ich trinke.“
„Auch gut, dann trinke ich es selbst.“ Das tat er auch, mit einer liebenswerten Unbekümmertheit. Gefiel mir dann doch wieder, irgendwie. Du erinnerst dich, liebes Tagebuch, zu der Zeit war ich oft mürrisch, arrogant und meist auch nicht so redselig. Mit der Schule war ich durch und arbeitete seit kurzem bei meinem Vater. Das förderte meine gute Laune nicht unbedingt. Naja, andere Geschichte.
Es kam, wie es kommen musste. Wir landeten im Bett. In seinem. Er wohnte in South Village, nicht so weit weg vom Trainingscenter. Der Sex war geil. Er trainierte Karate zwar erst seit einem halbe Jahr, aber er trieb schon lange Sport und war fit wie sonstwas. Das ließ den Sex zum Leistungssport werden, aber mir gefiel es. Hart und schweißtreibend. Laut und dreckig. Wie Sex manchmal eben auch sein muss. Greg war als Sexpartner ein Traum.
Und das war es leider auch schon, wie ich viel zu schnell feststellen musste. Reden? Energieverschwendung. Lesen? Man könnte ja was erfahren. Filme? Klar, jederzeit! Wenn keinen Porno, dann Splatter. Liebes Tagebuch, ich bin echt nicht prüde, und ich habe kein Problem, Blut zu sehen, und wenn Köpfe fliegen, ist das eben so. Ich meine, diesen Sommer habe ich Dinge gesehen, real life, da kommt kein Splatterfilm mit. Aber ständig???
Immerhin, der Sex war dann wieder so gut, dass ich zwei Monate bei ihm blieb. Ich glaube, vorher hatte ich nie eine so lange Beziehung. Wenn überhaupt. Aber dann, nach zwei Monaten, war mir eines morgens klar: Heute werde ich zum letzten Mal zu ihm gehen, ihm seinen Schlüssel geben und wieder gehen. Kein Sex, denn sonst werde ich wieder schwach. Vielleicht. So war der Plan.
Die Umsetzung sah dann etwas anders aus. Er fand meine Ankündigung überhaupt nicht gut. Tobte rum, schrie, weinte. Wollte wissen, warum, ob ich einen anderen hätte. Kopfschüttelnd ging ich Richtung Tür. Er holte mich ein, als ich die Hand auf die Klinke legte, riss mich herum und drückte mich gegen die Tür.
„Einen letzten Fick wenigstens!“ Er wusste genau, dass ich danach bleiben würde.
„Ich sagte doch, es ist vorbei!“
„Nein, ist es nicht! Es ist vorbei, wenn ich sage, dass es vorbei ist! Kapierst du das?“
„Sag mal, spinnst du? Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass du mir was zu befehlen hast!“
„Ach, so läuft das also. Jetzt verstehe ich. Die feine Dame hat einen Schwanz gesucht. Dafür war ich gut, ein Ficker, ein Hengst. Hä? Ist doch so, oder?“
„Du bist bescheuert. Und jetzt lass mich gehen.“
„Vergiss es. Ich ficke dich. Hier an der Tür. Los, nimm ihn in den Mund!“ Er packte mit einer Hand meine Haare, mit der anderen öffnete er seine Hose. Ich war für einen Moment ganz starr. Nicht vor Schreck, aber ich konnte nicht fassen, dass er tatsächlich versuchte, mich zum Sex zu zwingen. Als er an meinen Haaren zog, kam ich wieder zu mir und stieß ihn wütend zurück.
„Hast du den Verstand total verloren? Idiot! Niemand zwingt mich zum Sex! Niemand, verstehst du!“
Er gab mir eine Ohrfeige. Mein Kopf stieß gegen die Tür. Ich starrte ihn fassungslos an. „Kapierst du jetzt endlich, du blöde Schlampe? Und jetzt blas mir einen, verdammte Scheiße!“
Stattdessen trat ich ihm in die Eier. Nach 7 Jahren Training wusste ich genau, wie ich die Kraft dosieren musste, damit es ihm wirklich richtig beschissen weh tat, ohne dass er bleibende Schäden davontrug. Er klappte regelrecht zusammen. Ich riss ihn an seinen Haaren hoch und verpasste ihm einen Faustschlag gegen das Kinn. Er fiel hintenüber auf das Bett und blieb gekrümmt liegen.
„Du dämliches Arschloch“, keuchte ich. „Du kannst froh sein, dass ich dir keine Zähne ausschlage! Und eins sage ich dir: Wenn du jemals wieder versuchst, mich zu etwas zu zwingen, was ich nicht will, bringe ich dich um! Ist das klar?“ Ich wartete keine Antwort ab, er war nicht in der Lage, irgendeinen artikulierten Ton rauszubringen.
Ich war ganz schön geladen und beschloss, dass ich einen Drink brauchte. Oder zwei. In der Nähe war ein Pub, fast direkt davor sogar noch ein Parkplatz frei. Das Lokal war altmodisch eingerichtet und verwinkelt, nicht besonders hell. Aber das war mir egal. Eigentlich passte es ja hervorragend zu meiner Stimmung.
Ich setzte mich also an die Bar und bestellte einen Scotch. Der Wirt musterte mich. Ich warf ihm meinen Ausweis hin. Nach einem Blick darauf reichte er ihn mir zurück und machte den Drink fertig. Ich trank ihn langsam und starrte ins Nichts. Wie konnte ich nur so dämlich sein. Als hätte ich noch nie erlebt, wie irrational Jungs reagieren, wenn frau genug hat von ihnen. Ich betastete meinen Hinterkopf, wo mir so ein Prachtexemplar in der Schule mal eine Platzwunde besorgt hatte. Wieso glauben diese Idioten, sie hätten Anspruch auf alles, wenn sie mal die Muschi kriegen?
„Das sieht aber düster aus.“
Ich betrachtete den Typen, der das gesagt hatte. Er saß links von mir am Ende der Theke. Vor ihm stand ein halbvolles Bierglas. Und er war mit Sicherheit älter als mein Vater.
„Was?“
„Ihr Gesicht. Ihre Stimmung. Das Lokal.“
„Das Lokal war vorher schon so.“
Er schüttelte den Kopf. „Die Lichter sind ausgegangen, als Sie reinkamen.“
Ich musste jetzt doch grinsen. „Gibt solche Tage.“
„Viel zu oft.“
Jetzt musterte ich ihn etwas genauer. Wie alt mochte er sein? Mitte 50. Sein gegerbtes Gesicht wirkte sympathisch. Soweit erkennbar, hatte er warme braune Augen. Anscheinend wirkte meine Musterung einladend, denn er nahm sein Glas und setzte sich neben mich.
„Mein Name ist Phil.“
„Fiona.“
„Ein schöner Name. Er bedeutet, die Helle, Blonde. Passt ja.“
Ich holte eine Zigarette hervor, er gab mir Feuer und zündete sich auch eine an. „Warum sitzt du hier?“
„Und du?“
Ich zuckte die Achseln. „Habe gerade mit meinem Freund Schluss gemacht, und er versuchte, mich zu vergewaltigen.“
„Shit. Willst du nicht zur Polizei gehen?“
Ich lächelte leicht. „Ich sagte, er versuchte. In ein paar Tagen wird er vielleicht ohne Schmerzen pissen können. Vielleicht.“
„Das klingt, als wärst du richtig gefährlich.“
„Kampfkunst. Seit ich Kind bin. Und was machst du?“ Ich blies den Rauch aus und beobachtete ihn dabei, wie er sich verflüchtigte. Wie Greg aus meinem Leben. Irgendwie ein schöner Gedanke inzwischen.
„Ich bin Rentner.“
„Oh … so alt siehst du gar nicht.“
Er lachte, und das ließ ihn richtig jung wirken. Langsam gefiel er mir. „Ich bin 55. Kann meinen Beruf nicht mehr ausüben. Ich war Polizist.“
„Polizist. Soso.“
„Hast du ein Problem damit?“
„Nein. Aber ich kenne nicht viele. Muss ich jetzt aufpassen, was ich so von mir gebe?“
Er zuckte die Achseln. „Bin ja keiner mehr. Und du?“
„Eine Fangfrage?“
„Neugierde.“
Ich fand das klasse, wie wir uns verstanden. Wir redeten noch eine Weile miteinander, über alles mögliche. Als er sich verabschieden wollte, bot ich ihm an, ihn nach Hause zu fahren.
„Wie viel hast du getrunken?“
„Oh, der Polizist ist doch noch da.“
Nach kurzem Zögern winkte er ab. „Ich jage ihn zum Teufel.“
Wir gingen zum Wagen, den er nachdenklich musterte. „Deiner oder geliehen?“
„Meiner.“
Inzwischen dürfte er verschrottet sein. Aber damals war er ganz neu. Eins der wenigen Dinge, die ich mir von meinem Geld gönnte. Dank meines Vaters war ich allergisch gegen Luxus.
Er wohnte nicht weit entfernt, aber Richtung Zentrum, in einer besseren Gegend als Greg. Ich parkte und stellte den Motor ab. Wäre er ausgestiegen, hätte es mir viel Schmerz erspart – und viel Schönes. Aber er stieg nicht aus, noch nicht. Wir schauten uns an, auch ohne Worte war uns klar, dass wir dabei waren, eine Dummheit zu begehen – und das sehr gerne. Ich küsste ihn, vorsichtig, fragend. Er erwiderte den Kuss, ungläubig und vorsichtig.
Das Haus, in dem er wohnte, war alt, die Decken hoch, die Dielen knarrten an manchen Stellen. Geschmackvoll die Einrichtung, nicht protzig, aber auch nicht billig.
„Du lebst allein“, stellte ich fest, während ich im Wohnzimmer vor der CD-Sammlung stehen blieb.
„Sieht man das so schnell?“, erkundigte er sich amüsiert.
„Es ist ordentlich, aber nicht, wie es bei einer Frau ordentlich wäre. Klar, nüchtern.“
„Ja, das stimmt. Möchtest du was trinken?“
Ich drehte mich um. Er stand in der Tür und wirkte unsicher.
„Nein.“
„Was essen?“
„Nein.“
Ich zog die Bluse aus, trat aus den Schuhen, dann schob ich die Jeans und den Schlüpfer runter. Mehr hatte ich nicht an. Nackt ging ich zu ihm und küsste ihn, diesmal nicht so vorsichtig und schon mal gar nicht fragend. Der Sex war weder akrobatisch noch dreckig, dafür intensiv und berauschend. Er fing auf dem Boden an und endete in seinem Bett. Ich blieb danach einfach liegen, auch als er aufstand, um Abendessen zu machen. Bald duftete es nach irgendwas Leckerem in der ganzen Wohnung. Ich schloss die Augen und lächelte.
Er hatte das Wohnzimmer mit Kerzen dekoriert und den Tisch eingedeckt. Es sah aus wie in der Werbung für ein 5-Sterne-Restaurant. Ich merkte, wie auf einmal mein Gesicht nass war.
„Habe ich was falsch gemacht?“, fragte Phil erschrocken.
Ich schüttelte den Kopf. „Gar nichts. Alles richtig gemacht.“ Ich küsste ihn, dann wischte er meine Tränen ab. Wir aßen schweigend, doch es war ein schönes Schweigen. Wir schauten uns dabei gegenseitig an. Ab und zu glitt sein Blick nach unten und ruhte auf meinen nackten Brüsten, doch es war nichts Aufdringliches dabei.
Nach dem Essen tranken wir Wein, im Bett. Zwischendurch.

Liebes Tagebuch, ich konnte es selbst nicht glauben, aber ich hatte mich sowas von verliebt, in einen Mann, der fast dreimal so alt war wie ich. Und auch für ihn war es mehr als nur eine Romanze, das konnte ich spüren. Sein ganzes Verhalten bewies es. Ich verbrachte nicht jede Nacht bei ihm, aber viele. Nach zwei Wochen gab er mir einen Wohnungsschlüssel. Ich zögerte nur kurz, dann nahm ich ihn und hielt dabei seine Hand fest.
„Danke.“
Immer wenn ich kam, war die Wohnung eine einzige Kerzenausstellung. Jeder Raum, wirklich jeder. Selbst das Bad. Das Bad war sowieso ein besonderer Ort. Nur in Ausnahmefällen begannen wir nicht in der Badewanne mit einem betörenden Schaumbad. Er wusste bald sehr genau, wie er mich an den Rand des süßen Wahnsinns bringen konnte. Und ich ihn.
Meinen Eltern erzählte ich nichts. Wahrscheinlich dachten sie, ich würde immer noch regelmäßig zu Greg gehen. Und das war mir auch recht so. Phil war meins. Er war verwitwet, schon seit ein paar Jahren. Einen erwachsenen Sohn hatte er, der aber in London lebte. Ich schaute mir die Bilder von ihm an und dachte, dass er schon mit dem Studium fertig war und seit langem arbeitete. Und es war mir egal.

Liebes Tagebuch, du ahnst es schon, oder? Ich werde bald James heiraten. Es durfte nicht sein, das zwischen Phil und mir. Irgendwer war einfach dagegen. Und ich verstand auf einmal, was es bedeutet, wenn Träume wie Seifenblasen zerplatzen.

Eigentlich war es ein schöner Tag. Relativ kühl, aber sonnig. In einem Monat würde es den ersten Schnee geben, aber noch war es nicht soweit. Ich war nach der Arbeit einkaufen gefahren und lief mit der vollen Einkaufstasche die Treppe hoch. Auf den Champagner freute ich mich ganz besonders. Und natürlich auf die Küsse und Berührungen von Phil.
Schon vor der Wohnungstür überkam mich ein ungutes Gefühl. Zum ersten Mal roch ich keinen Kerzenduft, obwohl wir verabredet waren und ich nicht zu früh kam. Mein Atem stockte. Was hatte das zu bedeuten? Unmöglich, dass er es vergessen hatte. Ich schloss nervös die Tür auf und trat ein. Die Tasche abstellend, machte ich die Tür wieder zu und trat vor. „Phil! Bist du da?“
Keine Antwort.
Ich begann zu zittern.
„Phil! Was ist passiert?“
Immer noch nichts. Ich ging ins Wohnzimmer. Es war aufgeräumt, aber sonst wie an einem normalen Tag. Keine Kerzen, kein gedeckter Tisch, keine leise Musik.
„Phil!“, schrie ich.
Im Badezimmer standen zwei Dutzend Kerzen, nicht angezündet. Sie bildeten nicht einmal einen Halbkreis. Die restlichen Kerzen lagen auf dem Boden zerstreut. Vermutlich war die Kiste, in denen sie sich befanden, wenn ich nicht da war, umgefallen, als Phil stürzte. Ich registrierte das wie in Trance, als ich zu Phil trat und mich hinhockte.
Seine Augen starrten mich an. Sie starrten zur Tür. Sein Körper war seltsam verdreht, als wäre er unter Schmerzen gestorben. Er schien unverletzt zu sein, die rechte Hand umklammerte die linke Brust. Ich versuchte seine Augen zu schließen, doch sie gingen immer wieder auf und starrten mich an.
Ich weinte nicht. Da nicht. Auch nicht, als Notarzt und Polizei schon da waren. Ich saß im Wohnzimmer auf dem Sofa, in eine warme Decke gehüllt, und starrte irgendwohin. Ich weiß nicht mehr, was ich sah. Wahrscheinlich nichts. Ich fühlte mich einfach nur leer, unendlich leer.
Der Notarzt bestätigte, dass er an einem Herzinfarkt gestorben war.
„Sind Sie seine Tochter?“, fragte einer der Polizisten.
„Wie … was ..? Nein, ich … wir haben uns geliebt. Wir liebten uns.“
„Das … das tut mir leid.“ Es war ihm hochgradig peinlich, das nahm ich entfernt wahr.
Ich beantwortete die Fragen, so gut ich konnte, und hinterließ meine Daten. Danach durfte ich gehen. Man fragte, ob ich nach Hause gefahren werden möchte, aber ich schüttelte den Kopf. Zu Hause war so ziemlich der letzte Ort, wo ich jetzt hinwollte.
Ich besorgte mir mehrere Flaschen Whisky und fuhr zu einem billigen, aber sauberen Hotel und nahm ein Zimmer. Ich weiß nicht mehr genau, wie lange ich dort blieb. Zwei oder drei Tage, und in diesen Tagen trank ich alle Flaschen leer. Ich weinte und kotzte abwechselnd, stundenlang. Keine Ahnung, was die anderen Gäste dachten, und es war mir auch egal.
Irgendwann wurde ich wach und lag neben dem Bett, nackt, stinkend, vollgekotzt. Draußen war es dunkel. Ich erhob mich stöhnend. Die Flaschen waren alle leer, genau wie ich. Nichts ging mehr. Keine Tränen, keine Gefühle. Ich war einfach nur leer. Ich duschte, zog mich an und fuhr nach Hause.
Auf der Fahrt fasste ich den Entschluss, mich niemals wieder zu verlieben.

Daran habe ich mich gehalten, bis zu der einen Nacht, als ich von Leslie erfuhr, dass ihr Vater schon seit 7 Jahren in mich verliebt war. Und in ein paar Tagen werde ich ihn heiraten.

Ich liebe ihn. Ich liebe ihn so sehr, dass es schon weh tut. Auch, aber nicht nur, weil ich an Phil denken muss.

Tja, liebes Tagebuch, jetzt weißt du es. Das Leben ist halt wirklich ein seltsames Spiel.