Liebes Tagebuch, ich hatte einen Alptraum

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Liebes Tagebuch,

ich wusste nicht mehr, wie viele ich war. Jedenfalls viele. So viele, dass ich einen ganzen Raum füllte. Das war ganz schön krass und ein bisschen beängstigend. Ich meine, ich bin ja schon allein anstrengend und für viele eine zu viel. Aber gleich zu Dutzenden??? Ein Alptraum!

Erschreckend auch, dass ich normalerweise keine Alpträume habe. Zwar erlebe ich „in Träumen“ eine Menge, auch unschöne Sachen, aber es sind sonst eben keine Träume, sondern AKE. Das bringt meine Aufgabe als Kriegerin so mit sich, dass ich den Körper (fast) beliebig verlassen kann. So weit nicht ungewöhnlich, und ich bin auch nicht so leicht zu erschrecken. War ich noch nie. 😉

Aber mir plötzlich in einem Saal selbst zu begegnen und dann auch noch in der Anzahl, das konnte selbst mein kampferprobtes Herz zum Rasen bringen. Lustig, oder? Aber was machte ich da? Oder wir, was machten wir da? Nun ja, als ich durch die Tür kam, schaute ich mich an. Ich meine, die anderen ich schauten das Mich an, das ich grad war. Verwirrend, irgendwie. Ich stutzte und schaute auf mich zurück. Dann merkte ich, dass ich mich irgendwie erstaunt ansah und blickte an mir hinunter.

Ich war nackt! Also nur ich, wir nicht. Wir waren schon angezogen, allerdings alle trugen ein schwarzes, bodenlanges Kleid. Nur ich, also das aktuelle ich, ich nicht. Ich schaute daher genauso erstaunt wie wir. Ich meine, ich bin ja nicht prüde, außerdem sah ich mich selbst schon ziemlich oft nackt. Daher störte es mich nicht ernsthaft, aber es irritierte mich halt.

Meine Irritation wurde allerdings größer, als wir nun alle das Kleid auf den Boden fallen ließen und auch nackt waren. So affig nachahmend kannte ich mich ja nun gar nicht. Spaßeshalber nahm ich also ein Kleid und zog es an. Daraufhin zogen wir alle unsere Kleider auch an, bis auf eine, da ich ja deren Kleid trug. Sie blickte sich verstört um und trat dann zu mir.

„Gib mir mein Kleid zurück!“, verlangte ich von mir.

„Nichts da. Es ist mein Kleid. Du bist ich, also ist es meins. Sieh zu, wo du dir was zum Anziehen besorgst.“

„Es ist aber meins“, sagte sie/ich weinerlich.

„Hey, jetzt heule hier nicht rum, sonst wirst du aus mir verbannt. Ist ja ätzend!“

„Aber du bist ich, warum klaust du mir etwas?“

„Ich habe es dir nicht geklaut, sondern ganz offen und ehrlich an mich genommen, weil es eh meins ist. Warum zum Teufel sollte ich mir selbst etwas klauen? Hä?“

„Soll ich hier etwa als Einzige nackt rumstehen?“

„Du kannst ja auch rumlaufen oder gehen, wenn dich das stört. Und jetzt hör auf, mir auf den Keks zu gehen!“

Beleidigt zog sie/ich davon. Die anderen kümmerten sich nicht darum, so dass ich ungehindert zum Büffet gehen und mich bedienen konnte. Es schmeckte alles, egal was ich nahm, irgendwie nach Esspapier. Auch ätzend. Überhaupt, der ganze Traum voll ätzend.

Ich beschloss daher aufzuwachen und setzte mich im Bett auf. Neben mir lag James und schlief wie ein Baby. Am Fußende des Bettes stand eine schwarzgekleidete Fiona und grinste mich an.

„Hast du echt gedacht, du entkommst dir so leicht?“

„Nein“, knurrte ich. „Aber ich habe schon genug mit mir allein zu tun, also sei so lieb und verschwinde dorthin, wo du hergekommen bist, okay?“

„Und was soll ich den Anderen sagen, warum du abgehauen bist??“

„So weit kommt es noch, dass ich mich rechtfertige vor mir selbst! Verschwinde!!!“

James schreckte hoch, starrte mich entgeistert an. „Mit wem redest … schreist du?“

„Mit mir“, erwiderte ich mißmutig, stand auf und ging pissen. Natürlich nackt.