Danny, Zahnpasta, Höschen und andere Unfälle

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Es gibt Tage, an denen sollte ich einfach im Bett bleiben. Da das schwierig ist, werde ich Handschellen besorgen und an solchen Tagen, wenn ich es schon beim Morgenpissen im Urin habe, mich ans Bett fesseln. Ehrlich. Das ist ja furchtbar.

Es ging relativ harmlos los. Danny lag auf dem Flur und kaute an meinem nagelneuen(!) Höschen rum. OK, Hunde machen das halt. Sie wissen auch nichts davon, dass so ein Höschen umgekehrt proportional zur Stoffmenge kostet. Dieses war also sehr, sehr teuer. Es diente ja auch nicht dem Alltagsgebrauch, sondern dem Jamesgebrauch. Ähm … Egal.

Nachdem ich mich eine Viertelstunde zum Schmusen neben Danny gelegt hatte, ging ich ins Bad. Spätestens hier hätte ich umkehren müssen, um den Rest des Tages im Bett zu verbringen. Spätestens hier, als ich auf der Zahncreme, die überall auf dem Boden zerteilt war, ausrutschte und mir eine dicke Beule über dem linken Auge holte, weil das Waschbecken nicht schnell genug vor meinem herannahenden Kopf flüchtete.

„Danny!!“, brüllte ich erschrocken und vor Schmerz, während ich benommen auf dem Rücken lag.

Danny steckte neugierig seinen Kopf durch die spaltbreit offene Tür, schaute mich kurz an und verschwand wieder eiligst. Ich rappelte mich auf, ging unter die Dusche, das zahnfleischfarbene Chaos auf dem Boden ignorierend und erlebte meine nächste Überraschung. Der Durchlauferhitzer war kaputt, statt des erwarteten warmen Wassers kriegte ich eine eiskalte Dusche ab. Beim Rausspringen aus der Dusche rutschte ich natürlich erneut aus, diesmal geschickter, so dass ich nirgendwo gegen schlug. Allerdings riss ich den Handtuchhalter aus der Wand.

Mit zusammengebissenen Zähnen räumte ich die Schweinerei weg, nahm den Handtuchhalter mit nach unten und ging im unteren Bad unter die Dusche. Diesmal klappte alles ohne Zwischenfälle. Als ich in die Küche kam, nass und nackt, stand dort James, der Brötchen holen war, und betrachtete fragend den Handtuchhalter.

„Danny hat mein Höschen gefressen“, erklärte ich ihm.

„Aha“, erwiderte er. Er kannte mich vermutlich inzwischen gut genug, um nicht nach Details zu fragen. „Und was ist mit deinem Kopf passiert?“

„Danny mag auch Zahnpasta“, erklärte ich ihm.

„Aha. Kann ich dir irgendwie helfen?“

„Ja“, sagte ich. „Ruf jemanden an, der uns den Durchlauferhitzer oben repariert.“ Dann nahm ich ein Brötchen aus der Tüte und marschierte zur Tür hinaus. Mir fiel jedoch was ein, was er auch wissen sollte und kam zurück. „Ach so, wir brauchen auch einen neuen Handtuchhalter. Und du gehst bitte mit dem Hund spazieren. In einer Stunde bin ich auch fertig. Danke. Bis gleich.“

James nickte, ohne irgendwas zu fragen oder zu sagen. Das liebte ich an ihm. Er wusste genau, im Gegensatz zu vielen anderen Männern, wann er besser den Mund hielt.

(Sommer 2003)