John Summer (4.9.2006)

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„John Summer? Nie gehört.“
„Er hat zwei Menschen getötet. Mit den bloßen Händen.“
„So was kommt vor. Nicht oft, aber es kommt vor. Was genau soll ich denn tun?“
„Mit ihm sprechen. Du wirst spüren, ob er … irgendwie anders ist.“
„Und wie erklärst du das deinen Leuten?“
„Du bist eine Legende.“
„Das ist über drei Jahre her!“ Ich stehe auf und starre aus dem Fenster. „Also gut, Ben, ich werde mit ihm sprechen. Aber mehr nicht.“
„Das reicht mir. Danke.“ Ich spüre seine Erleichterung wie eine Blase aufsteigen. Warum tue ich mir das an? „Wie schnell kannst du hier sein?“
„Wo ist hier? Ich bin im Büro und trage ein Kleid!“
„Das passt doch. Er ist Sachbearbeiter bei einer Krankenversicherung. Keine zehn Minuten von dir entfernt, würde ich sagen.“
Na super. Ich weiß wirklich nicht, warum ich das mache. Seit Schneewittchen ist meine Lust auf ungewöhnliche Abenteuer etwas gedämpft. Und da hat die Scheiße auch mit so einem Anruf Bens angefangen. Ich werde es bereuen. Und wie ich es bereuen werde.
„Bin gleich da“, sage ich und lege auf.
Das Telefon klingelt. „Wo?“
„Du hast doch gesagt, Krankenversicherung. 10 Minuten von hier. Also West Town. Wie viele Industrieparks mit Bürogebäude gibt es in West Town?“
„Wir halten uns versteckt. Bin in einem Van der Kanalfernseher.“
Kanalfernseher. Echt witzig. Während ich mit dem Aufzug in die Tiefgarage fahre, mustere ich mein Outfit. Hochhackige Glanzschuhe, schwarze Strümpfe, dunkelgraues, knielanges Kleid, hellblaue Bluse. Die ideale Verkleidung. Aber wofür nur? Selbst meine Frisur sitzt. Noch.
Frisur? Mein Spiegelbild grinst unverschämt. Das letzte Mal hatte ich mit 12 eine Frisur, bevor ich meine hüftlangen Haare mit einer Nagelschere abgeschnitten habe. Seitdem niemals wieder. Schon aus Protest nicht. Und das weißt du auch, du blöd grinsende …
Der Aufzug hält an, ich steige aus.
West Towns Industriepark besteht aus Dutzenden von sehr ähnlichen Büromonstern. Nicht so hoch wie die Bankgebäude an der Grenze zu Old Town, meist nicht mehr als 10 Stockwerke. Die Fassaden in einem augenverletzenden Rotbraun. Was der Architekt, der für die Planung des Parks zuständig war, geraucht hat, wird auf ewig sein Geheimnis bleiben.
Ich finde den unauffälligen Van der Polizei ziemlich schnell. Er steht schräg gegenüber dem Bürogebäude einer der größten Krankenversicherungen unseres Landes. Ich parke meinen Wagen etwas weiter weg und spaziere zum Van. Wer das sieht, muss Verdacht schöpfen oder mich für total bescheuert halten. Es nieselt, der Wind lässt die nicht mehr wirklich saftgrünen Blätter, die angefangen haben, von den Bäumen zu fallen, abheben und einen ziemlich schrägen Laubtanz aufführen. Und ich spaziere viel zu leicht bekleidet durch die Gegend. Hure, Irre oder Polizistin.
Ben mustert mich belustigt.
„Lach nicht! Sonst gehe ich wieder!“
„Schon gut, Fiona. Du hilfst uns wirklich sehr.“ Ich betrachte seine beiden Kollegen und habe meine Zweifel, ob sie es auch so sehen. Aber natürlich kennen sie die Legenden, die sich um mich ranken.
„Also, dann erzähl mal.“
„Gestern Abend hat John Summer zwei Männer getötet. Sie sind vor einer Disco aneinander geraten. Der Anlass war eigentlich nichtig, Zeugen zufolge hat John Summer den Wagen der beiden Männer ganz leicht berührt. Es gab nicht einmal einen Kratzer. Aber die beiden waren bekannte Zuhälter, von der Art, die auf die Huren aufpasst. Brutale, durchtrainierte Schläger. John Summer ist ein ziemlicher Brocken, aber er ist noch nie auffällig geworden. Er hat die beiden regelrecht auseinandergenommen. Einer erlitt einen Genickbruch, als Summer ihn über die Straße geworfen hat und er mit dem Kopf gegen ein Wagendach geknallt ist. Der andere hat daraufhin versucht, Summer zu tranchieren. Der brach ihm den Arm und stieß ihn so heftig gegen die Hauswand, dass sein Kopf zerplatzt ist. Danach stieg er ins Auto und fuhr weg. Heute morgen hat ihn dann eine Zeugin identifizieren können. Er ist seiner Vermieterin zufolge heute ganz normal zur Arbeit gefahren. Irgendwo da drin sitzt er und bearbeitet Fälle von Versicherten.“
„Krass.“ Ich mache mir allmählich Sorgen um mein Kostüm. „Was für eine Zeugin? Doch nicht eine Nutte?“
„Eine Kioskbesitzerin.“
„Aha.“ Ich starre durch das Fenster auf das Gebäude der Versicherung. Der Eingang befindet sich in der geometrischen Mitte, eine sich verjüngende Treppe führt hinauf. „In welcher Abteilung arbeitet unser Freund?“
„Hören Sie, Fiona“, beginnt einer der Kollegen Bens, „Sie müssen das wirklich nicht tun. Wir haben vollstes Verständnis, wenn Sie …“
„Haben wir nicht!“, unterbricht ihn Ben. „Willst du draußen warten? – Fiona, es reicht mir wirklich, wenn du mit ihm redest. Ich glaube nicht, dass er eine Ahnung hat, dass wir ihn identifiziert haben. Es gibt eine Nachrichtensperre.“
„Hm.“ Es ist überflüssig, darüber zu diskutieren. Aus welchem Grund auch immer, lebt dieser Kerl sein Leben ganz normal weiter, obwohl er erst vor einigen Stunden zwei Menschen getötet hat.
Oder er steht völlig unter Schock.
„Ich gehe rein“, sage ich. „Danach sehen wir weiter.“
Ben begleitet mich nach draußen. Wir bleiben so stehen, dass man uns vom Gebäude aus nicht sehen kann.
„Hör zu, Ben, deine Leute werden bald meutern. Und das wäre auch kein Wunder.“
„Wir können ihnen ja sagen, dass du so was wie ein Engel bist“, erwidert Ben süffisant.
„Bisher hielt ich dich für nett. – Wie sehe ich aus?“
„Na ja, hart an der Grenze des Glaubwürdigen. Man sieht dir an, dass du keine Sachen von der Stange trägst.“
„Doch, tue ich. Aber die Stange war teuer. Also gut. Ich gehe dann mal.“
Ben nickt. Ich gehe über die Straße und gebe mir jede Mühe, irgendwie normal zu wirken. Das fällt mir ja schon unter normalen Umständen schwer, jetzt ist es eine völlig unmögliche Aufgabe. Erleichter atme ich auf, als ich endlich in der Halle neben einem künstlichen Brunnen stehe und den gigantischen, elektronischen Wegweiser bewundere.
„Kann ich Ihnen behilflich sein?“
Ich mustere das hilfsbereite Wesen, das mich angesprochen hat. Es lächelt, aber unter den Tonnen von Schminke sieht das Gesicht verkniffen aus. Hast wohl schlecht gefickt, Teuerste, schießt mir spontan durch den Kopf. Ich habe Mühe, mir davon nichts anmerken zu lassen.
„Ich habe eine Verabredung mit John Summer“, sage ich.
Sie betrachtet mich mit einem Gesichtsausdruck, als käme ich von einem anderen Planeten. Kann es ihr nicht einmal verdenken. Ich komme mir ja auch wie ein Fremdkörper vor. Klienten, die hier verkehren, tragen für gewöhnlich kein Kleid, das fast so viel kostet wie das Monatsgehalt einer Empfangsdame. Bei Gelegenheit werde ich darüber nachdenken, wie konsequent ich bei meinen Bestrebungen, den Dresscode bei CSE zu ändern, sein sollte.
Aber nicht jetzt.
„Sie finden ihn in der ersten Etage“, sagt die Empfangsdame.
„Danke. Wo finde ich den Aufzug?“
Sie zeigt es mir. Ich komme mir schäbig vor dabei, das war eindeutig ein Scherz auf ihre Kosten. Möge das das Schlimmste sein, was ich heute tue!
John Summer arbeitet in einem Großraumbüro mit etwa 20 Leuten, überwiegend Frauen. Ich habe Glück, er hat grad keinen Klienten. Er bietet mir mit routinierter Freundlichkeit einen Platz und Kaffee an. Ich betrachte ihn dabei.
Er ist vor allem ziemlich groß. Breite Schultern, aber nicht besonders durchtrainiert. Er hat sogar einen deutlichen Bauchansatz. Ein sanfter Riese. Und er bringt zwei Typen um, die an Straßenkämpfe gewöhnt sind?
Ich seufze innerlich. Ben hat recht gehabt, als er mich anrief. Und mein Kostüm wird das hier nicht überleben.
John Summer mustert mich. Ich lege die Beine übereinander, sorgfältig darauf achtend, dass der Rock schön hochrutscht und eine Menge von meinen Oberschenkeln entblößt. Die Hände lege ich zusammengefaltet in den Schoß.
„Was kann ich für Sie tun, Miss ..?“
„Carter. Jennifer Carter. Ich glaube, wir haben miteinander telefoniert.“
„Ach ja … einen Augenblick bitte.“ Er tippt auf seiner Tastatur herum. „Komisch, ich finde zu Ihrem Namen nichts. Können Sie den Nachnamen bitte buchstabieren?“
„Ich habe Sie um ein Angebot angefragt“, sage ich.
Er schwenkt den Blick vom Monitor zu mir. „Ein Angebot? Bei mir? Das ist ausgeschlossen. Ich habe mit der Aquise nichts zu tun. Wie war der Name des Kollegen, mit dem Sie gesprochen haben?“
„Smith. Ich glaube, er hieß Smith.“ Das läuft ja super …
„Smith? – Miss Carter … ist Miss richtig?“
„Äh … ja, natürlich.“
„Und der Ring?“
„Ein Erbstück.“
„Tatsächlich? Miss Carter oder wie Sie auch immer heißen, was genau wollen Sie eigentlich von mir?“
„Eine … eine Beratung.“
„Selbstverständlich.“ Er lächelt. „Wir bezahlen Zahnersatzleistungen.“
„Wie bitte?“
„Miss Carter, das hier ist eine Versicherung. Wir bieten Produkte für die medizinische Absicherung an. Krankenversicherungen. Sie sehen allerdings nicht wie eine typische Kundin aus. Und eigentlich sind Sie es auch nicht gewohnt, einem Sachbearbeiter gegenüber zu sitzen. Was also wollen Sie von mir? Für eine Polizistin sind Sie wiederum viel zu gut angezogen. Das verwirrt mich etwas.“
„Nun …“, setze ich an, weiter komme ich allerdings nicht. Sein ganzes Geschwafel sollte mich nur ablenken. Und zu meinem großen Entsetzen ist es ihm auch gelungen. Den Computer wehre ich noch mit dem Arm ab, aber seine Faust trifft. Nicht mit voller Wucht, denn ganz abwesend sind meine Reflexe glücklicherweise nicht. Aber es reicht, dass ich mehrere Tische und Stühle zertrümmere und mich unter ihnen begrabe.
Aua. Tut weh.
John Summer ist weg. Das ist ja auch kein Wunder. Ich rappel mich fluchend auf. Nur ansehen. Ja, ist klar. Noch ist mein Kleid nur zerknittert, ansonsten aber ganz. Meine Nase blutet ein wenig, auch das keine Katastrophe. Klug wäre es, jetzt nach draußen zu gehen und Ben mitzuteilen, dass John Summer ein ziemlicher Brocken ist. Und S.W.A.T wird das schon richten.
Aber wann habe ich jemals was Kluges getan? Ganz abgesehen davon, dass es Tote geben würde.
Und John Summer ist definitiv nicht böse. Er fühlt sich in die Enge getrieben, und das macht einen Amateur wie ihn gefährlich, vor allem wenn er in der Lage ist, einen Engel zu Boden zu schicken.
Er war verflucht schnell.
Jemand spricht mich von der Seite an. „Sind Sie verletzt? Geht es Ihnen gut?“
„Alles in Ordnung“, erwidere ich. „Haben Sie gesehen, wo er hin ist?“
„John? Ja, Richtung Toilette. Was ist eigentlich passiert?“
Unhöflich, wie ich bin, lasse ich ihn ohne Antwort stehen und nehme die Verfolgung auf. Die Toilette liegt auf einem Gang, der zu einem Treppenhaus führt. Ich halte den Atem an und lausche. Es ist hoffnungslos, viel zu laut hier. Mal kurz nachdenken, kann ja nicht schaden. Wenn er nach unten gerannt wäre, dann hätten ihn die Polizisten gesehen. Oder auch nicht. Möglicherweise gibt es eine Tiefgarage und er ist dorthin.
Verdammte Scheiße!
Ich hole mein Handy hervor und rufe Ben an.
„Hi Fiona.“
„Er ist mir entwischt. Gibt es eine Tiefgarage?“
„Was ist er?“
„Tiefgarage!!“
„Nein, gibt es nicht.“
„Bewacht die Ausgänge!“ Ich lege auf und renne nach oben. Warum rennen sie alle immer nach oben?
Während ich die Stufen in Dreierschritten nehme, denke ich darüber nach, wie viel Vorsprung John Summer eigentlich hat.
Zu viel.
Natürlich ist er nicht auf dem Dach. Warum sollte er auch da auf mich warten? Ich spaziere zum Dachrand und sehe nach unten. Jetzt würde er nicht mehr unbemerkt verschwinden können, aber das hilft uns auch nicht weiter. Scheiße.
Als die Tür aufgestoßen wird, drehe ich mich um und betrachte die Mitglieder des Einsatzkommandos und Ben.
„Ist er weg?“, fragt Ben.
„Nein, er versteckt sich direkt hinter mir.“
Einige schmunzeln. Ben nicht. Er kommt näher und sagt leise: „Wie konnte das passieren?“
„Er ist schnell und stark.“
„Und was heißt das?“
„Deine Leute sollten ihm nicht zu nahe kommen.“
„Aber was ist er?“
„Ich habe nicht die geringste Ahnung!“
Ben nickt, dann dreht er sich um und befiehlt: „Los, ausschwärmen, das Industriegebiet abriegeln! Weit kann er noch nicht sein. Und ich brauche ganz dringend einen Hubschrauber! Ich will ihn nach Möglichkeit lebend!“
Nachdem seine Leute abgezogen sind, wendet er sich wieder an mich. „Stimmst du mir zu, dass er kein gewöhnlicher Mensch ist?“
„Oh ja, da stimme ich dir zu. Aber ich glaube, er weiß das gar nicht. Zumindest bis gestern Abend wusste er das nicht. Ich glaube auch, dass er immer noch nicht weiß, was er ist. Das erklärt auch, wieso er erst einmal ganz normal zur Arbeit gefahren ist. Er versucht zu verarbeiten und zu verstehen. Ich meine, als ich erfahren habe, was ich bin, war es für mich ein Schock und ich wurde deutlich sanfter herangeführt.“
„Okay, das verstehe ich. Dennoch hat er zwei Menschen getötet.“
„Das ist richtig. Allerdings hat er sich letztlich nur verteidigt. Und wenn wir ehrlich sind, so unter uns: Wirklich schade ist es um die nicht.“
„Das darf ich nicht einmal denken.“
„Ich schon.“ Ich grinse ihn an. „Also gut, ich mach mich dann mal auf den Weg.“
„Wohin?“
Ich zucke mit den Achseln. „Soll ich helfen?“
„Es kann sein, dass meine Leute ihn erschießen müssen.“
Ich sehe ihn nachdenklich an. „Ich werde mir Gedanken machen. Ruf mich bitte an, wenn ihr eine Spur habt.“
„Rufst du uns auch an?“
„Ich werde DICH anrufen. Einverstanden?“
Ben nickt, dann verlässt auch er das Dach. Ich folge ihm langsam. Dabei denke ich darüber nach, was ich in einer vergleichbaren Situation tun würde. Mein erstes Bestreben wäre, aus der Gegend wegzukommen, um einmal tief durchzuatmen. Das Auto käme dafür nicht in Frage, selbst wenn er schnell genug hinkäme, könnte er sich denken, dass nach dem Wagen gefahndet wird.
U-Bahn. In der Nähe verläuft eine U-Bahn-Trasse, freundlicherweise auch noch ein Stück weit überirdisch, da sie sonst einen massiven Bunker hätten wegsprengen müssen. Es war deutlich billiger und einfach gewesen, drei Stationen über die Erde zu legen.
Ich steige in meinen Wagen ein und rufe Ben an. „Ben, er wird versuchen, zur U-Bahn zu gelangen. Ist der Hubschrauber schon unterwegs?“
„Er ist gleich da.“
„Ich fahre zur letzten überirdischen Station in Richtung Center Village. Ruf mich bitte sofort an, wenn du weißt, in welchem Zug er sich befindet.“
„Äh … und wenn er in die andere Richtung fährt?“
„Nach Harbor City? Das tut er ganz bestimmt nicht. Bis gleich!“
Ich starte den Motor und vergesse vorübergehend, dass es Verkehrsregeln gibt. Im Moment sind eh alle Polizisten mit der Jagd auf John Summer beschäftigt. Ich erreiche unbehelligt die U-Bahn-Station, nur einige Autofahrer, die meinen Weg kreuzen, erleben ihre Schrecksekunde.
Dann stelle ich den Wagen auf dem Parkplatz ab und warte.
Etwa eine Sekunde.
Ben ruft an. „Die Hubschrauberbesatzung hat ihn entdeckt. Er ist in zwei Minuten bei dir. Richtung Center Village.“
Ich verkneife mir jede Bemerkung, die mir Genugtuung bereiten könnte und erwidere: „Bin schon unterwegs. Bitte gib mir ein paar Minuten!“
„Mach ich. Aber lange kann ich es nicht hinauszögern.“
„Ist auch nicht nötig. Danke!“
Ich sprinte los, so weit meine Kleidung es überhaupt zulässt. Schon bald wird mir klar, dass hochhackige Glanzschuhe ganz beschissen zum Laufen geeignet sind und ziehe sie aus. Allerdings bringe ich es nicht übers Herz, sie wegzuwerfen. Vielleicht brauche ich sie ja noch. Außerdem waren sie verdammt teuer!
Ich laufe auf Strümpfen zu den Bahnsteigen, hechte über die Schranken und komme hechelnd gleichzeitig mit dem Zug an. Genauer, ich komme eigentlich nach dem Zug an und schaffe es gerade noch, in den letzten Waggon einzusteigen, bevor die Türen sich wieder schließen.
Die anderen Fahrgäste starren mich an.
Kann ich ihnen nicht verdenken, ich würde auch große Augen machen, wenn plötzlich eine Frau in meiner Kleidung in die U-Bahn gestürmt käme, ihre feinen Schuhe anzöge und dann mit einem abwesenden Lächeln davonmarschieren würde.
So eine kann nur aus einer teuren Irrenanstalt entlaufen sein.
Die Waggons wackeln auf den alten Schienen hin und her, es ist der reinste Balanceakt, während der Fahrt herumzulaufen. Und ich muss mich in erster Linie auf die Menschen konzentrieren, um meinen neuen Freund John rechtzeitig zu entdecken.
Um diese Uhrzeit ist die U-Bahn nicht einmal halbvoll. Dennoch scheint eine breite Auswahl an Bevölkerung vertreten zu sein. Von gutgekleideten Managern über Einkauf tätigende Rentner bis hin zu jungen Müttern.
Neben einer jungen Mutter sitzt John, die Arme lästig auf die Sitzlehne gelegt, so dass er den Nacken der links von ihm sitzenden jungen Frau mit Baby im Schoß blitzschnell packen und wohl auch problemlos knacken kann.
Er scheint sich mit seiner übermenschlichen Kraft arrangiert zu haben.
Wir starren uns einige Sekunden lang an.
Ich muss eine Entscheidung treffen. Egal, wie schnell ich bin, wenn John beschließt, die Frau zu töten, dann kann ich das nicht verhindern.
Ich nehme eine entspannte Haltung an, so weit das in meiner Lage überhaupt möglich ist, und gehe unbetont langsam auf John zu. Er beobachtet mich aufmerksam, bewegt sich aber sonst nicht.
Ich setze mich an seiner rechten Seite auf die Sitzbank und schlage die Beine übereinander. Der Rock rutscht hoch und entblößt einen Teil meiner schwarz bestrümpften Oberschenkel.
„Sexy“, sagt John amüsiert. Seine linke Hand bewegt sich nicht. Die junge Frau mustert uns sichtlich irritiert.
„Freut mich, dass der Anblick dir gefällt.“
„So weit würde ich nun nicht gehen. Es bereitet mir etwas Sorge, dich in diesem Zustand hier zu sehen.“
„Wie meinst du das?“
„Nun ja, ich habe einen Computer nach dir geworfen und dir einen Faustschlag verpasst, der dich einige Meter weit fliegen ließ. Gestern Abend hat ein stadtbekannter Schläger das nicht überlebt und du hast nicht einmal einen Kratzer.“
Die junge Frau an seiner linken Seite wird bleich und macht Anstalten aufzustehen. Johns Pranke schließt sich um ihren Hals und zieht sie zurück.
„Wenn sich alle ruhig verhalten, passiert niemandem was“, sagt John leise.
„Ich bin ganz ruhig“, erwidere ich. „Aber sie hat ein Baby. Lass sie gehen.“
„Ich bin doch nicht bescheuert.“ John lächelt, aber jetzt wirkt er etwas nervös. „Bist du Polizistin?“
„Nein. Ich will dir helfen.“
„Mir helfen?“ John lacht kurz auf. „Wie stellst du dir das vor?“
„Du kommst mit mir und wir besprechen mit der Polizei, wie wir weiter vorgehen.“
„Toller Plan. Ich will nicht ins Gefängnis.“
„Du hast zwei Menschen getötet.“
„Ich habe mich nur verteidigt! Aber das verstehst du sowieso nicht!“
Ich komme gerade noch so weit, dass sich der Gedanke in meinem Kopf formen kann: ‚Doch, ich verstehe dich, weil …‘, bevor sein Ellbogen in meinem Gesicht explodiert und meinen Kopf mit zerstörender Wucht gegen die Fensterscheibe prallen lässt. Ich höre das Glas bersten, dann wird es dunkel.
Allerdings nicht sehr lange. Das wird mir klar, nachdem ich wieder in der Lage bin, etwas anderes als Schmerz wahrzunehmen. Ich liege gekrümmt auf dem Boden des Waggons. Die Menschen um mich herum noch wie starr vor Schreck. Der Waggon steht. Ich suche die junge Mutter mit meinem Blick und finde sie ebenfalls auf dem Boden. Sie scheint unverletzt zu sein, genau wie ihr Baby. Überhaupt, es sind einige Leute, die auf dem Boden liegen oder sitzen.
Dann wird mir klar, dass John Summer eine Notbremsung gemacht hat.
Ich setze mich auf. Sofort erinnert mich mein Kopf daran, dass ihm gerade übel zugesetzt wurde. Ich taste ihn ab und spüre Blut. Viel Blut. Dann sehe ich mir die Scheibe an.
Sie ist völlig zertrümmert.
Das kann nicht mein Kopf gewesen sein. Und da John nicht zu sehen ist, gibt es nur eine logische Schlussfolgerung: Er hat die Scheibe ganz zerschlagen und ist nun im Tunnel unterwegs.
So eine verdammte Scheiße!
Ich taste auch noch mein Gesicht ab, das ja eine Begegnung mit Johns Ellbogen hatte. Auch hier jede Menge Blut, aber ansonsten fühlt es sich mehr oder weniger heil an. Ich erhebe mich etwas schwankend und betrachte unbegeistert die kaputte Fensterscheibe. In meinen Klamotten wird es keinen Spaß machen, durch den Tunnel zu laufen.
„Sie sollten sich wieder hinlegen“, sagt eine Frau mittleren Alters und der Kleidung nach entweder Hausfrau in Einkaufsmission oder Sekretärin. Bin mir da nicht ganz sicher. Das kann aber auch an meiner abklingenden Gehirnerschütterung liegen.
„Keine Zeit“, erwidere ich, ziehe die Schuhe wieder aus und klettere vorsichtig durch das Fenster.
Wieso nehme ich eigentlich nicht die Tür?
Zu spät. Ist auch egal.
Nach kurzem Zögern ziehe ich die Schuhe wieder an. Lieber auf den hohen Absätzen herumschwanken als auf Strümpfen in irgendwas Scharfes treten.
Bis auf die Notbeleuchtung ist es vorne im Tunnel dunkel. Und hinten auch. Wo ist denn nun mein Freund hin?
Ich beschließe, dass er sich wohl kaum für die Richtung entschieden haben wird, aus der wir gekommen sind und marschiere in die Richtung los, in die der Zug eigentlich fahren wollte.
Bis der Idiot ihn mitten im Tunnel angehalten hat.
Ich versuche ihn mit dem Gehör zu orten. Das scheitert allerdings an dem Geschrei aus dem Zug. Je weiter ich in die Dunkelheit des Tunnels eintauche, umso leiser wird es, bis ich schließlich nur noch die üblichen Geräusche höre.
Die üblichen?
Ich verharre regungslos und halte den Atem an. Ich habe keine Ahnung, welche Geräusche in einem U-Bahn-Tunnel üblich sind, jedenfalls höre ich nichts, was ich John Summer zuordnen würde.
Entweder wartet er irgendwo auf mich oder er hat einen Wartungsgang gefunden. Es gäbe auch noch andere Möglichkeiten, aber die will ich gar nicht erst in Erwägung ziehen, damit sie nicht zutreffen können.
Ich bin mir sehr sicher, bis jetzt an keinem Wartunggang vorbeigekommen zu sein, also gehe ich weiter.
Den Wartungsgang finde ich dann auch. Ob John ihn genommen hat, weiß ich natürlich nicht, aber die Chancen dafür stehen gar nicht so schlecht, und außerdem wüßte ich eh nicht, was ich sonst tun sollte.
Ich bin froh, dass die Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs in meiner Heimatstadt lieber in, wenn auch billige, Neonlampen investiert haben als in Taschenlampen der Wartungsmonteure der U-Bahn. Zumindest reicht das fast schon gespenstisch flackernde Licht aus, um nicht über irgendetwas, was herumliegt, zu stolpern. Viel liegt zwar nicht herum, aber immerhin einige tote Ratten, eine verschlissene Tasche, viel Dreck und Kabel.
Und John. Eigentlich liegt er nicht herum, er steht nur auf der Lauer. Völlig überraschend. Zumindest für mich, da ich mit toten Ratten, einer verschlissenen Tasche, viel Dreck und Kabeln beschäftigt bin, exakt bis zu dem Zeitpunkt, als ich John bemerke.
Eigentlich bemerke ich nicht John, sondern mal wieder seine Faust. Er steht um die Ecke und als ich der Kurve folgen will, begegne ich seiner Faust.
Die verträumte Fiona fliegt ergo gegen die gegenüberliegende Wand und sieht Sterne, die in der Düsternis besonders gut zu erkennen sind. Dann wird sie von dem Koloss gepackt, in die Höhe gehoben und gegen die Wand gedrückt. Sein Unterarm hält sie am Hals fest, was zu akutem Luftmangel führt.
Verflucht, ist der Kerl stark!
Während mein Bewusstsein noch um die Vorherrschaft kämpft, reagiert der kampferprobte Rest ohne Kommandozentrale, dafür aber endlich effektiv.
Meine Hände berühren seine Ohren. Schnell und ungebremst. Aus beiden Richtungen. So was kann ziemlich wehtun, vor allem, wenn ich das mache, denn auch ich bin stark.
John taumelt zurück, hält sich die Ohren. Ich lande auf den Füßen und meine Beine geben nach. Bis ich unten ankomme, habe ich aber die Herrschaft wiedererlangt. John wird nicht lange brauchen, um wieder handlungsfähig zu sein. Ich drücke mich an der Wand hoch.
John blickt mich an. Er sieht ziemlich wütend aus. Seine Faust setzt sich mal wieder in Bewegung, doch diesmal bin ich endlich vorbereitet. Ich tauche unter seinem Arm hinweg und springe zur Seite. Dabei verliere ich allerdings das Gleichgewicht, denn einer meiner Absätze bricht ab.
Ich finde mich auf dem Boden wieder. Für Selbstmitleid ist aber grad mal keine Zeit. Ich trete mit aller Kraft, die ich in dieser Position habe, dem anstürmenden Kerl zwischen die Beine. Das reicht zumindest, um ihn für einige Sekunden außer Gefecht zu setzen.
Mehr brauche ich gar nicht. Mein abgebrochener Absatz bringt mich auf eine Idee. Ich reiße den anderen Schuh vom Fuß, und als John erneut auf mich eindringen will, lasse ich den Absatz eindringen.
Zwischen seinen Rippen.
High Heels können eine verheerende Wirkung haben, das hatte ich ja gesehen, als Katharina mit ihren Stiefeln die Werwölfe dezimiert hatte.
John fällt erst auf die Knie, dann lang hin.
Ich setze mich neben ihn und atme ein paarmal tief durch. Dann ziehe ich den Schuh aus Johns Brust und betrachte ihn. Der Gedanke gefällt mir zwar nicht, aber ich werde wohl nicht umhin kommen, auf Strümpfen oder barfuß weiterzugehen.
Na, dann lieber auf Strümpfen.
Als ein Zucken durch Johns Körper geht und er kurz darauf die Augen öffnet, lege ich die linke Hand auf sein Herz.
„Eine falsche Bewegung und ich hole mir dein Herz mit der bloßen Hand. Glaubst du, dass ich dazu fähig bin?“
„Ja“, antwortet er stöhnend.
„Gut. Eigentlich sollte ich verdammt sauer auf dich sein, ich habe heute nämlich nicht meinen masochistischen Tag. Da wir unter uns sind, reden wir einfach mal Klartext. Zuerst sagst du mir, was du eigentlich bist.“
„Ich arbeite als Sachbearbeiter in einer Krankenversicherung.“
„Das wollte ich nicht hören.“
„Ich weiß. Aber ich habe keine Ahnung, was ich bin. Bis gestern war ich einfach nur John Summer, eine gescheiterte Existenz.“
„Und was hat sich gestern geändert?“
„Ich habe zwei Menschen getötet. Mit einer Leichtigkeit, die mich erschreckt hat. Hör zu, ich habe nicht gewusst, wie stark ich tatsächlich bin. Ich habe einen großen, kräftigen Körper, ja. Aber das, was da passiert ist, das hat nichts mit bloßer Kraft zu tun. Genausowenig wie die Tatsache, dass du mich mit einem 10 Zentimeter Absatz erdolcht hast und ich hier mit dir rede. Und auch dass du überhaupt hier sitzen kannst.“
„Das ist richtig. Ich weiß allerdings nicht erst seit heute, dass ich über diese Fähigkeiten verfüge.“
„Wer bist du überhaupt?“
„Mein Name ist Fiona Flame.“
Er reißt die Augen auf. „Die Fiona? Die ihren Onkel ..?“
„Ja, genau die. Damals wusste ich allerdings selbst auch nicht, was ich alles kann.“
„Was kannst du denn?“
„Vermutlich in etwa, was du auch kannst. Ich glaube, du bist einer von uns. Deswegen wusstest du es bisher auch nicht.“
„Wer ist ‚uns‘?“
„Die Krieger. Hör zu, das ist ziemlich kompliziert. Aber du hast zumindest selbst erlebt, dass du Dinge kannst, die nicht wirklich normal sind. Zum Beispiel bist du unsterblich. Genau wie ich. Auch wenn es dennoch wehtut …“
„Oh ja!“
„Die Polizei wird uns bald aufgespürt haben. Wir sollten hier verschwinden. Aber dazu musst du mir vertrauen, dass ich dir wirklich helfen will. Das kann ich nur, wenn du weder versuchst, mich zu töten, noch dass du abhaust. Können wir uns darauf einigen?“
„Habe ich eine Wahl?“
„Die hast du immer. Also?“
„Ich vertraue dir.“
Das ist doch schon mal ein Fortschritt.
Wir folgen weiter dem Wartungsgang. Für gewöhnlich führen diese irgendwohin, von wo aus man in eine Station gelangt. Wir können dabei hören, dass es wirklich höchste Zeit ist.
Über eine Leiter gelangen wir eine Ebene höher. Und bald darauf stehen wir im öffentlichen Bereich der Central Station.
Völlig unauffällig.
Ich packe John und ziehe ihn in ein Café, dort in die dunkelste Ecke, die ich finden kann. Dann fische ich mein Handy aus meiner Rocktasche und hoffe, dass es überlebt hat.
Es hat.
Ich rufe Ben an. „Hi, Ben.“
„Wo steckst du?“
„Du warst früher höflicher! Ben, du musst deine Leute abziehen!“
„Bist du wahnsinnig? Der Typ hat eine Frau mit Baby bedroht, mit deinem Kopf eine Fensterscheibe zertrümmert und einen Zug mitten im Tunnel notgebremst! Das steht morgen in jeder Zeitung des Landes!“
„Verflucht, Ben, er ist ein Krieger und wusste das bis gestern Abend nicht.“
„Verdammt.“ Ich kann förmlich hören, wie er nachdenkt. „Wir müssen ihn irgendwie aus der Öffentlichkeit bekommen.“
„Eben. Wir sitzen in einem Café in Central Station, irgendwann werden deine Leute den Spuren bis hierher folgen. Wir sehen beide etwas … äh … auffällig aus.“
„Hat dich jemand erkannt?“
„Ziemlich unwahrscheinlich, so wie mein Gesicht aussieht.“
„Ihr solltet euch verhaften lassen. Dann kann ich euch …“
„Vergiss es! Viel zu viele Leute, die kannst du nicht alle täuschen.“
„Du hast recht“, sagt er seufzend. „Dabei hat mir meine Idee so gut gefallen!“
„Wir brauchen eine Verkleidung. Und etwas Zeit. Kannst du nicht deine Leute irgendwie woanders hin lenken?“
„Ich kann es versuchen. Ich lasse die Meldung verbreiten, dass John Summer an einer anderen Station gesehen wurde. Aber was dann? Er ist ein gesuchter Mörder.“
„Ja, ich weiß. Ich muss nur mal in Ruhe nachdenken können. Ich werde Nilsson bitten, uns hier abzuholen. Gemeinsam fällt uns bestimmt was ein. Ich melde mich nachher.“
„Ist gut. Aber heute noch.“
„Auf jeden Fall heute noch. Danke, Ben.“
Als ich auflege, schaut mich John fragend an.
„Ben ist Lieutenant bei der Mordkomission. Ich kenne ihn seit der Geschichte mit meinem Onkel, er ist ein Freund und einer der wenigen, die wissen, dass ich kein gewöhnlicher Mensch bin.“
„Ich glaube, das wissen sehr viele.“
Es dauert einen Moment, aber dann verstehe ich, was er meint. Ich schenke ihm ein Lächeln. Dann rufe ich Nilsson an.

James blickt vom Schneidebrett hoch. „Ah, mein Schatz, da bist du ja.“
„Bin ich.“ Ich umarme ihn von hinten und betrachte das Gemetzele auf dem Schneidebrett. „Was machst du da?“
„Unser Abendessen.“
„Aha. Lebt nicht mehr.“
„Ganz sicher nicht. Und dein Freund?“
„Klar lebt er noch. Ein Krieger stirbt nicht so schnell.“
„Stimmt. Zum Glück. Und was macht er?“
Ich hole eine Tasse aus dem Schrank und überzeuge die Kaffeemaschine, sie mit Kaffee zu füllen. „Er hat sich entschieden, die Aufgabe zu akzeptieren.“
„Immer diese Entscheidungen.“
„Ja, ist schon hart. Möchtest du eigentlich auch einen Kaffee?“
„Danke, ich hatte grad einen. Und was sagt die Polizei dazu?“
„Nachdem Nilsson uns aus unserer misslichen Lage befreit hat, sind wir zu Jack gefahren. Später ist Ben noch hinzu gekommen, und wir haben uns lange unterhalten. Schließlich haben wir uns darauf geeinigt, dass wir ein paar Tage warten, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Dann wird sich John der Polizei stellen, ganz still. Er bekommt einen guten Anwalt und einen Deal, wird für fahrlässige Tötung in Notwehr verurteilt und kommt auf Bewährung frei.“
„Und John ist damit einverstanden?“
„Es ist eine gute Möglichkeit für ihn, sauber aus der Sache herauszukommen. Und Fakt ist, er hat die zwei getötet, ohne dass es nötig gewesen wäre. Auch wenn es letztlich ein Unfall war. Nilsson wird sich um ihn kümmern, ihn einweisen.“
„Klingt vernünftig.“
„Find ich auch.“ Ich drücke mich von hinten gegen James. „Hast du überhaupt Hunger?“ Meine linke Hand wandert zwischen seine Beine. „Ich meine, auf Essen.“
„Du anscheinend nicht.“
„Ich nicht. Nicht auf Essen. Nicht jetzt.“
James dreht sich grinsend um. „Wenn du so fragst … aber eines will ich noch wissen.“
„Was genau?“ Ich stelle den Kaffee hinter ihm auf der Küchentheke ab und kämpfe mit dem Reißverschluss seiner Hose. Dabei gehe ich in die Hocke. Und bekomme genau mit, dass sein Hunger nichts, aber auch gar nichts mit Essen zu tun hat.
„Wie hat es Nilsson geschafft, euch rauszuholen?“
Ich verharre mitten in meiner Bewegung. Endlich hatte ich es geschafft, den Reißverschluss zu besiegen und war dabei, die Belohnung zu kassieren.
„Äh … er hat uns Verkleidung gebracht. Wir haben uns dann nacheinander auf der Toilette umgezogen.“
„Verkleidung?“
„Verkleidung.“ Ich beginne, seinen Schwanz abzuküssen. „Verkleidung halt.“
„Was für Verkleidung?“
Ich blicke hoch. „Schatz, ist dir eigentlich klar, was ich gerade mache?“
„Durchaus. Sehr, sehr klar.“
„Warum fragst du mich dann nach einer dämlichen Verkleidung?“
„Deine Weigerung, sie zu verraten, macht mich ziemlich neugierig.“
„Ich kann aber über so was nicht reden, während ich auslaufe!“
„Und mit Stopfen?“
„James!“
Später beschließen wir, dass wir kein Abendessen brauchen und gehen ins Bett. Ich fühle mich wohltuend schläfrig, wie meistens nach gutem und ausgiebigen Sex. James sucht noch das Bad auf, danach kommt er auch ins Bett und macht das Licht aus.
„Was für Verkleidung, Schatz?“